Was ist Romanik?

Was ist Romanik?

Hildesheim, St. Michael, 1010-33

Als Romanik bezeichnet man die Epoche der mittelalterlichen europäischen Kunst zwischen der ersten Jahrtausendwende und der Gotik.

Der Begriff meinte anfangs jene Sprachen, die aus dem Latein und seinen Dialekten stammten, und wurde in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts von französischen Autoren, dann von deutschen (Kunst-)Historikern auf Architektur und Kunst des Hochmittelalters übertragen. Dieser Wahl lag die Vorstellung zugrunde, die mittelalterliche Baukunst habe sich aus der römischen entwickelt. Tatsächlich waren die Traditionen während der Völkerwanderung und der merowingischen Zeit abgebrochen, doch setzte sich der sachlich nicht korrekte Begriff durch.

Die Kunst der romanischen Epoche gilt als jene, die erstmals eine (relativ) geschlossene Einheit bestimmter Stilformen im gesamten christlichen Europa bildet. Beginn und Ende dieses Zeitraums sind dabei in einzelnen Regionen jeweils unterschiedlich anzusetzen.

Der romanischen Epoche geht in den verschiedenen Ländern eine Zeit der Aneignung und Umformung der antiken Kunst voran. Diese Stilstufe wird als Vorromanik bezeichnet, vielfach jedoch auch mit unter den Begriff der Romanik gefasst. Man gliedert sie gemäß den Herrscherhäusern: merowingisch (bis 750), karolingisch (750-920), ottonisch (920-1024).

Modena, Dom, beg. 1099, Westfassade

Für den Beginn der romanischen Stilstufe nimmt man unterschiedliche Zeitpunkte an: Während im deutschen Reich das Ende der Ottonen (1024) einen Einschnitt markieren kann, setzt etwa in England nach der angelsächsischen Zeit 1066 mit der normannischen Eroberung Neues ein.

Noch deutlicher sind die zeitlichen Differenzen beim Übergang in den nachfolgenden Stil der Gotik. Im nördlichen Frankreich beginnt ein Wandel der Formen seit 1140, in England um 1180, in Südfrankreich erst um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Im deutschen Reichsgebiet, für das eine Unterteilung der romanischen Zeit nach den Dynastien der Salier (1025-1125) und Staufer (1138-1254) üblich ist, fällt der Wechsel zu dem in Frankreich ausgebildeten gotischen Stil etwa in die Jahre um das Ende des staufischen Kaiserhauses. Doch hatte es bereits zuvor allmähliche Wandlungen von Bauformen gegeben, und war an einzelnen Bauten das architektonische System der Gotik übernommen worden (Marburg, Elisabethkiche; Trier, Liebfrauenkirche).

Palas der Wartburg, Hofseite

Eine beschreibende und inhaltliche Bestimmung des Begriffs der Romanik, die für alle Gattungen und formalen Erscheinungen der Kunst in den lateinisch geprägten europäischen Ländern (zwischen der Iberischen Halbinsel und dem südlichen Schweden, zwischen Westfrankreich und Polen) gelten könnte, lässt sich nicht treffen. Zu unterschiedlich sind die stilistischen Möglichkeiten in den Werken der Architektur und Kunst. Romanik bezeichnet daher vor allem eine Epoche als Zeitraum. Formale und inhaltliche Charakterisierungen erscheinen allenfalls innnerhalb der Gattungen Architektur, Plastik, Malerei und Kunstgewerbe sinnvoll.

 

Romanische Kunst ist zum weitaus überwiegenden Teil sakrale Kunst. Dies entspricht nicht nur dem Bestand des Erhaltenen, sondern der Auftraggeberschaft und Zweckbestimmung von Bauten und Kunstgegenständen.

 

Profane Denkmäler sind zwar überliefert oder bezeugt, und in der Architektur finden sich bedeutende Beispiele von Burgen, Festungen und Pfalzen (in Deutschland etwa die Wartburg und die Pfalzen in Goslar und Gelnhausen; andere Beispiele in England, Frankreich und Italien); doch erhob man mit ihnen in künstlerischer Hinsicht kaum den Anspruch der sakralen Architektur. Dies gilt erst recht für den Wohnbau in den Städten.

Die Bauten und anderen Kunstwerke für Bischofssitze, Klöster und Stifte machen die Menge der Zeugnisse aus und zeigen die Vielzahl der formalen Mittel wie auch die künstlerischen und qualitativen Möglichkeiten.