St. Maria im Kapitol

St. Maria im Kapitol  -  Ausstattung

romanische Bildertür

Bildertür, zwei Flügel des ehemaligen Nordportals in der nördlichen Konche

Köln, Mitte des 11. Jahrhunderts

Eichenbohlen, darauf ursprünglich 26 Relieffelder (eines verloren) und geschnitzte Rahmenleisten aus Nussbaumholz montiert

Reste zweier mittelalterlicher Farbfassungen

Höhe 4,85 m, Breite beider Flügel 2,48 m

St. Maria im Kapitol, Westwand des südlichen Seitenschiffs

 

 

Zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerken in Köln zählen die Türflügel von St. Maria im Kapitol, die ehemals zum wichtigsten Zugang der Kirche, dem Portal im Scheitel der nördlichen Konche, gehörten.

Die beiden Flügel sind mit jeweils 13 in Holz geschnitzten Hochreliefs besetzt. Leisten mit Rankenornament bilden den äußeren Rahmen, solche mit Flechtbandmuster trennen die einzelnen Bildfelder. Auf jedem Flügel wechseln sich jeweils drei querrechteckige und zweimal zwei Zeilen mit je zwei hochrechteckigen Tafeln ab; die unterste Reihe bilden zwei größere Reliefs. Die Flügel zeigen das Leben Christi. Dabei entspricht die Reihenfolge der Szenen nicht immer den Evangelienberichten, was nicht auf spätere Veränderung zurückgeht, sondern originaler Befund ist.

Der linke Türflügel ist der Kindheit und Jugend Christi gewidmet (von der Verkündigung an Maria bis zur Taufe Christi). Die vier Tafeln der untersten Reihe zeigen, über beide Flügel reichend, die Versuchung Christi und dessen Glorifizierung durch Engel. Der rechte Flügel bietet die Passion, die Auferstehung Christi sowie seine Erscheinung vor den Jüngern.

Die Bildertür gilt als ein in Köln um die Mitte des 11. Jahrhunderts gefertigtes Werk. Wie die dendrochronologische Datierung und die erste, flüchtig aufgetragene Farbfassung nahelegen, war sie vermutlich zur Weihe des Kreuzaltars am 2. Juli 1049 provisorisch fertiggestellt und wurde erst zur Schlussweihe der Kirche 1065 mit der kostbareren zweiten Fassung vollendet. Die Darstellung von Figuren und Gewändern, die deutliche Sprache der Gebärden, ikonographische Details und kompositorische Muster sowie die Ornamente der Rahmen und die Farbfassung haben Parallelen in der zeitgenössischen Buchmalerei und Goldschmiedekunst und in der rheinisch-maasländischen Elfenbeinschnitzerei. Die Tür von St. Maria im Kapitol ist die letzte erhaltene mit Bilder geschmückte Holztür des Mittelalters neben den Bronzeportalen.

Szenenfolge und inhaltliche Deutung

Die Bildertür zeigt auf 26 Tafeln 28 Szenen aus dem Leben Christi.

 

linker Flügel:

 

Verkündigung an Maria - Heimsuchung

Verkündigung an die Hirten - Geburt Christi

die Drei Könige vor Herodes - Anbetung der Drei Könige

Traum Josephs - Flucht nach Ägypten

Herodes erfährt, die Drei Könige seien nicht zurückgekehrt - Befragung eines Schriftgelehrten

Lanzenausgabe - Bethlehemitischer Kindermord

Darbringung im Tempel - Taufe Christi im Jordan

 

vier Tafeln in der untersten Reihe beider Flügel:

drei Versuchungen Christi durch den Teufel - Christus und die Engel

 

rechter Flügel:

 

Einzug in Jerusalem

Blindenheilung - Auferweckung des Lazarus

Christus am Ölberg - Berufung (oder Primat?) des Petrus

Letztes Abendmahl

Himmelfahrt (linke Tafeln der übereinander liegenden Reihen) - Kreuzigung

Frauen am Grabe

Erscheinung Christi vor den Jüngern und Aussendung

 

 

Die jüngere Forschung sucht diverse inhaltliche Bedeutungen zu erschließen, die über die bloße Erzählung der Vita Christi hinausgingen. Man will etwa thematische Beziehungen zwischen Szenen derselben Zeile beider Flügel erkennen: Gemeinsamkeiten zwischen den Begebenheiten, kommentierende oder antithetische Bezüge. Die Abweichungen der Szenenfolge von der Vita Christi lassen sich jedoch auch einfach dadurch erklären, dass manche Ereignisse besser im Quer-, andere im Hochformat darzustellen schienen und daher an inhaltlich 'unrichtiger' Stelle ins Schema eingefügt wurden.

Übergeordnetes Thema ist für K. G. Beuckers (Rex iubet - Christus imperat, Köln 1999) die Gegenüberstellung von ungerechter Herrschaft am Beispiel des König Herodes und dem wahren Herrschertum Christi. Daher sei auf dem rechten Flügel durch die Szenen der Einsetzung (?) des Petrus und die Aussendung der Jünger die "Autorisierung der Kirche in Haupt und Gliedern durch Christus" betont. Doch richte sich das Programm nicht gegen weltliche Herrschaft an sich, sondern ist als Mahnung zu christlicher Herrschaft zu verstehen.

Die Bildertüre war das repräsentative Portal des stadtseitigen Haupteingangs der Kirche; sie wurde wohl vor allem für hochrangige Besucher geöffnet. St. Maria im Kapitol hatte besondere Bedeutung in der Stationenfolge des Weihnachtsumritts der Kölner Erzbischöfe, die hier die erste Weihnachtsmesse feierten. Die Stiftsstatuten des 16. Jahrhunderts überliefern auch, dass der deutsche König und Kaiser nach der Krönung in Aachen bei seinem ersten Besuch in Köln die Kapitolskirche zu besuchen hatte. Dies galt womöglich bereits für das 11. Jahrhundert und das Bildprogramm der Tür bezog sich auf den feierlichen Einzug des Herrschers.

Die Bildertür gilt als eine Kölner Arbeit aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Aufgrund einer ersten, nur flüchtig aufgetragenen Farbfassung und der dendrochronologischen Datierung wird angenommen, sie sei zur Weihe des Kreuzaltars am 2. Juli 1049 (durch Papst Leo IX. in Anwesenheit Kaiser Heinrichs III. und zahlreicher Bischöfe) provisorisch fertiggestellt worden und spätestens zur Schlussweihe der Kirche im Jahre 1065 vollendet gewesen; damals hatte sie bereits eine kostbarere zweite Farbfassung erhalten.

Die Figuren- und Gewanddarstellung, die Wiedergabe der deutlichen Gebärden, ikonographische Details und kompositorische Muster sowie Ornamente der Rahmen und die Farbfassung zeigen Parallelen zur zeitgenössischen Buchmalerei, Goldschmiedekunst und vor allem zur rhein-maasländischen Elfenbeinschnitzerei. Die Bildertür von St. Maria im Kapitol ist neben den Bronzeportalen die letzte erhaltene bildgeschmückte Holztür des Mittelalters.

St. Maria im Kapitol von Nordosten

Öffnungszeiten

 

Mo. - Sa.: 10.00-18.00 Uhr

So.: 13 - 18 Uhr

 

Führungen nur nach Absprache mit dem Pfarramt

 

Kasinostrasse 6

50676 Köln

Tel.: (0)221 - 214615

Fax: (0)221 - 2403432

mail: pfarrbuero(at)maria-im-kapitol.de

www.maria-im-kapitol.de