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Lettner, Ansicht von Westen

Lettner, Ansicht von Westen

Mecheln, 1517/25

St. Maria im Kapitol

 

Im Jahr 1525 wurde in St. Maria im Kapitol ein neuer Lettner am Eingang zur Vierung errichtet. Er ersetzte wohl einen gotischen Vorgänger. Die Schranke zwischen Chor und Mittelschiff, Presbyterium und Laienraum erhielt nun eine besonders aufwendige Form. Auch dieser Lettner hatte die üblichen Funktionen: Die Empore wurde als zur Lesung von Evangelium und Epistel genutzt und diente den Sängern; zudem stand hier ein Altar.

Der Lettner ist eine Stiftung von Kölner Bürgern, vor allem der Brüder Nikasius und Georg Hackenay. Nikasius erteilte 1517 in Mecheln den Auftrag. Nach dem Tod beider Brüder sorgte die Witwe von Georg Hackenay, Sibylle von Merle, für Transport und Aufstellung des seit 1523 vollendeten Werks. Wappen an den Brüstungen verweisen auf die an der Stiftung beteiligten Familien Hardenrath, von Merle, von Straelen, Salm und von Berchem.

Acht Bündelpfeiler aus dunklem belgischen Granit tragen die begehbare Lettnerempore. Der Architrav schwingt über den Pfeilern in Halbkreisen nach unten und schließt jeweils ein Wappenmedaillon ein. Die Brüstungen sind mit einer Folge von Relieffeldern und von Baldachinen bekrönten Figurennischen zwischen Pilastern besetzt. An der Westseite zeigen die Reliefs vier Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu, dazwischen stehen zehn Prophetenfiguren. An der Ostseite befinden sich die Darstellungen des Letzten Abendmahls und dreier typologisch zugeordneter Szenen aus dem Alten Testament (Abraham und Melchisedech, Mannaregen, Speisung des Elias), dazu zwölf Heiligenfiguren (Namenspatrone der Stifterfamilie und in der Stiftskirche verehrte Heilige). Architrav, Pilaster und Medaillonrahmen sind aus Namurer Blaustein gefertigt, Kapitelle, Wappenschilde, Reliefs und Figuren aus weißem Kalkstein. So ist der farbliche Kontrast der Materialien, die Marmor und Alabaster imitieren, als wirkungsvolles Mittel eingesetzt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war in St. Pantaleon ein Lettner noch in spätgotischen Formen errichtet worden; mit dem neuen Lettner der Kapitolskirche kam der neue Stil der Renaissance in der typischen niederländischen Variante erstmals nach Köln.

Der Lettner, den man bei der Neuausstattung der Kirche 1765 abgebrochen und dessen Teile an der Westwand und den hinteren Seitenwänden des Mittelschiffs angebracht hatte, wurde (nach starker Kriegszerstörung und Restaurierung) 1985 am (ungefähr) ursprünglichen Ort wieder aufgestellt - allerdings durch neue Stufen um mehr als einen Meter erhöht, so daß er, ohnehin zu groß dimensioniert, auf störende Weise in die Arkaden des Schiffs einschneidet.

Seit 1985 steht auf dem Lettner eine neue Orgel, die mit Unterstützung des Fördervereins Romanische Kirchen errichtet wurde.

Marienplatz 17-19

50676 Köln

Tel.: (0)221 - 214615

 

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