Ein bärtiger König und eine Dame in fränkischer Zopftracht blicken vom Kapitell des südwestlichen Vierungspfeilers in den ehemaligen Gebetsraum der Laienmönche. Wen stellen die beiden kleinen Köpfe dar? Wer ist der König? Und vor allem: Wer ist die Dame?
Mit offenem Haar ist sie weder als Heilige noch als Nonne oder Stiftsdame gekennzeichnet. Sollte es sich bei den beiden wirklich um den fränkischen Hausmeier Pippin von Herstal, der von 679 bis 714 das Frankenreich und damit Köln regierte, und seine Gattin Plektrudis handeln?
Pippin und Plektrudis hatten um das Jahr 700 die Missionsklöster Kaiserswerth und Susteren gegründet. Plektrudis gilt zudem als Stifterin des Kölner Klosters St. Maria im Kapitol. Hatten die beiden auch eine Kirche in der frühmittelalterlichen Rheinvorstadt gestiftet? So jedenfalls behauptete es vor 400 Jahren der Kölner Historiograph Aegidius Gelenius. Doch was weiß ein Kölner Geschichtsschreiber von Dingen, die wiederum 900 Jahre vor seiner Zeit lagen?
Immerhin: Die Ausgrabungen unter Groß St. Martin zeigen, dass eine frühmittelalterliche Kirche an diesem Ort nicht ausgeschlossen werden kann. Als sicher gilt die Gründung eines bald in ein Benediktinerkloster umgewandelten Kanonikerstifts durch den Kölner Erzbischof Bruno um das Jahr 960. Jedoch lässt sich auch über Brunos Kirche und deren spätere Ausbauten kaum etwas sagen. Der ab etwa 1150 begonnene heutige Bau hatte fast all deren Reste getilgt. Groß St. Martin mit seinem Dreikonchenchor und dem allbeherrschenden Vierungsturm darüber ist ein Hauptwerk der in Köln konzentrierten, großartigen stauferzeitlichen Baugruppe zwischen Rhein und Maas. Der romanische Kirchenbau prägt seit Jahrhunderten das Kölner Rheinpanorama, in dem erst seit 1880 der vollendete Dom aufragt.




