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St. Andreas
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Chor
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Chor

Chor | Gotischer Neubau zu Beginn des 15. Jahrhunderts

Der Chor von St. Andreas stammt aus dem 1. Viertel des 15. Jh., seine Baugeschichte beginnt jedoch weitaus früher. Bereits im 11. Jh. besaß St. Andreas einen Chor. Dieser ehemalige salische Chor war flachgedeckt und schloss mit einer runden Apsis ab. Der Chorraum lag erhöht, darunter befand sich eine Krypta, deren Zugang über eine Treppe in der Vierung erfolgte. Dieser Zugang wurde um 1200 durch zwei seitliche Treppen ersetzt, die in die Chorwinkeltürme eingelassen wurden

Der salische Chor mitsamt Krypta bestand bis 1413. Zu diesem Zeitpunkt muss er sich in einem baufälligen Zustand befunden haben, wie eine Urkunde aus diesem Jahr belegt. Ein Jahr später wurde der Chor abgetragen und die Krypta zugeschüttet. Der gotische Neubau des Chores wurde um einen halben Meter tiefergelegt und in östlicher Richtung um 6 m verlängert. Der neue Langchor, der bis heute besteht, setzt sich aus drei Jochen und einem siebenseitigen Chorpolygon zusammen. Er schließt mit einem Kreuzrippengewölbe ab. Durch die zwölf Fenster, die fast die gesamte Wandfläche des Chores einnehmen, ist er lichtdurchflutet. 

Im Langchor befinden sich vier Konsolen (Tragelemente), zwei in Form von musizierenden Engeln und zwei, die als Prophetengruppe gestaltet wurden. Weiter oben, im Gewölbe, zeigen auch die Schlusssteine figürliche Darstellungen: den Salvator Mundi, die Muttergottes mit Kind, den hl. Andreas und den hl. Matthäus. Hervorragende Arbeiten, die von der Kunstfertigkeit mittelalterlicher Bildhauer zeugen.

Kunstwerke

Die drei mittleren Chorfenster wurden 1899 von der Fa. Schneiders und Schmolz ausgeführt. Ganz dem historistischen Stil verschrieben orientiert sich die Glasmalerei an Vorbildern der Renaissance.

Die Fenster ergeben zusammen eine einheitliche Komposition. In der oberen Zone der Fenster sind zahlreiche Heilige dargestellt. In der unteren Zone sind weltliche Vertreter verschiedener Stände zu sehen, die vor den Heiligen knien. 

Einst besaß St. Andreas eine spätgotische Verglasung, welche 1770 im Zuge der Barockisierung der Kirche entfernt und durch eine ungestaltete Verglasung ersetzt wurde. Erst im 19. Jh. erhielt der Chor wieder eine Buntverglasung. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Fenster ausgelagert, wodurch sie erhalten geblieben sind.

Glasmalerei, 1899, Glasmalerei-Anstalt Schneiders und Schmolz, Glas, Blei 

Zusätzlich zu den mittleren Chorfenstern befinden sich zwei weitere figürlich gestaltete Fenster im Langchor. In ihrer Gestaltung orientieren sich die Fenster eindeutig an den drei älteren Chorfenstern, das Dargestellte nimmt indessen Bezug auf den Ersten Weltkrieg. 

Die zweibahnigen Maßwerkfenster sind horizontal geteilt. In der oberen Zone sind je sechs Heilige abgebildet, während in der unteren Zone, unterhalb zweier weiterer Heiliger, zwei Kriegsszenen und Inschriften platziert sind. Das linke Fenster zeigt den Moment vor der Schlacht, in dem die Soldaten dem Feind entgegen stürmen. Das rechte Fenster zeigt den Moment nach der Schlacht. Ein verletzter Soldat wird gestützt, von links erscheint ein Engel mit einem Palmzweig in den Händen. Durch den Palmzweig als Märtyrer gekennzeichnet, symbolisiert die Szene den Aufstieg der Verstorbenen in den Himmel. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Fenster ausgelagert und blieben so unversehrt. 

 

Glasmalerei, Fa. Franz Reuter, Glas, Blei, 1918

Das Chorgestühl entstand im Zusammenhang mit dem Chorneubau zu Beginn des 15. Jh. Aufgestellt an den beiden Seitenwänden besteht es aus insgesamt 54 Sitzen mit zwölf Abschlusswangen.

Besonders beachtlich ist die reiche figürliche Verzierung des Chorgestühls. So sind alle Wangen mit Reliefs geschmückt und die Wangen der hinteren Reihe tragen zusätzlich eine Bekrönung aus freistehenden Heiligenfiguren, die unter offenen Maßwerkarkaden stehen. Das Dorsale, die Rückwand des Gestühls, zeigt geschnitztes Blendmaßwerk. An den Rückenlehnen haben sich zusätzlich zahlreiche eingeritzte Namenszüge und Jahreszahlen erhalten – Graffiti aus vergangenen Jahrhunderten. 

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der ursprünglich vorhandene, gewölbte Baldachin der hinteren Reihen verloren. Zudem wurden Schäden teilweise nur notdürftig ausgebessert. Die heutige Erhaltung entspricht demnach nicht mehr dem Originalzustand.

Chorgestühl, Eichenholz, geschnitzt, um 1430

St. Andreas, Chor, Sakramentshaus

Im Chor steht das kunstvoll gestaltete Sakramentshaus der Kirche. Gefertigt wurde es Mitte des 16. Jh.

Es setzt sich zusammen aus einem pilastergerahmten Sockel mit einer Darstellung des Mannaregens und darüber einem dreigeschossigen Aufbau mit dem zentral platzierten, vergitterten Tabernakel. Seitlich des Tabernakels stehen Statuetten des hl. Andreas und des hl. Matthäus. Darüber findet sich unter Arkaden eine Reliefdarstellung des Letzten Abendmahls. Bekrönt wird der Aufbau durch einen Dreiecksgiebel mit einer Darstellung Gottvaters.

Ein Sakramentshaus dient zur Aufbewahrung der Hostien und liturgischen Gefäße. Beginnend in der Spätgotik wurden Sakramentshäuser als turmförmige Kleinarchitektur prunkvoll ausgebildet. Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in der Renaissance.

Sakramentshaus, Kalkstein, Eisen, vergoldet, geschmiedet, 1545–1555