Merkwürdig ist es, in Groß St. Martins Vierungsturm zu stehen! Das Bauwerk offenbart sich hier als nüchterne, profane Stahlbetonkonstruktion.
Die Flächenbombardements des Zweiten Weltkriegs hatten die Kirche sämtlicher Dächer, beinahe des gesamten Vierungsturms und aller Gewölbe beraubt. Im Rahmen einer während der Wintermonate 1946/47 im ungeheizten Audimax der Kölner Universität veranstalteten Vortragsreihe diskutierten Fachleute, Künstler und interessierte Laien darüber, ob und wie ein Wiederaufbau der Kölner Kirchen geschehen könne. Waren sie überhaupt wiederherstellbar, und wenn ja: Welcher Zustand der über Jahrhunderte immer wieder veränderten Bauwerke sollte denn rekonstruiert werden? Alternativ schien ein Wiederaufbau in zeitgemäßen, modernen Formen. Einzig in Bezug auf Groß St. Martin bestand Einigkeit in allen Punkten.
Die Kirche war im Laufe von 700 Jahren innen wie außen so gut wie nicht verändert worden. Hier ließ sich also eine 1:1-Rekonstruktion des Urzustandes bewerkstelligen.
Bis zur Neuweihe nach dem Krieg sollten allerdings 40 Jahre vergehen: Erst ab 1985 wurde hier wieder Gottesdienst gefeiert. Nicht wiederhergestellt ist die bereits im 19. Jh. erneuerte romanische Portalvorhalle.