Die Taufkapelle in St. Gereon ist ebenso außergewöhnlicher Raum wie die Obere Sakristei. Stiftsdekan Hermann von Vilich († 1242/1243) verfügte, dass zwei Jahreserträge seiner Einkünfte für den Bau der Taufkapelle verwendet werden sollte. Die Kapelle hat aus Platzgründen die Form eines verschobenen Oktogons, eines achteckigen Raums, bekommen. Neben dieser ungewöhnlichen Form sind in der Taufkapelle die originalen romanischen Wandmalereien erhalten. Architektur und Wandmalerei bilden eine Einheit; die Malerei ist direkt bei der Entstehung des Baus im 13. Jh. durch die Baumeister und die geistlichen Auftraggeber berücksichtigt worden.
Taufkapelle | Architektur und Malerei aus einem Guss
Romanische Ausmalung in ihrer Ursprünglichkeit
Über die Jahrhunderte hat sich die Taufkapelle weitgehend in ihrer Ursprünglichkeit mit den bauzeitlichen Wandmalereien erhalten. Man hat sich bei der Gestaltung für ein figürliches Bildprogramm entschieden, das ornamental abgerundet ist. Es sind auch hier wieder die „typischen“ Heiligen für St. Gereon dabei: Helena, Kaiser Konstantin, Gereon, Gregorus Maurus und Katharina. Die Bischöfe sind vermutlich Anno und Maternus. Stilistisch sind diese als Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik, dem sog. Zackenstil einzustufen. Dabei bilden sich besonders die Falten der Gewänder der Heiligen scharfkantig aus, was dem Stil seinen Namen gab.
Diese Wandmalereien geben so Auskunft über die unterschiedlichen Kunsthandwerker, deren jeweilige Handschrift, die Komposition, die Linienführung und auch einige Korrekturen sind bei genauerem Hinsehen erkennbar. Dies ermöglicht uns einen Einblick in die Maltechnik der Künstler in der Entstehungszeit des 13. Jh.
Wandmalerei, Freskotechnik, 1243–1245