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Schatzkammer | Ein reduzierter Kirchenschatz

Vom Kirchenschatz von St. Georg ist bis in unsere Zeit sehr wenig übrig geblieben. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Schatzverzeichnisse überliefern zwar bestens die Geschichte des Kirchenschatzes von St. Georg, dennoch konnte von diesen mittelalterlichen Schatzstücken nur wenig bewahrt werden.

Nicht nur nach der Auflösung der Stiftsgemeinschaft in der Säkularisation zu Beginn des 19. Jh. gingen Stücke verloren, auch ein Bombentreffer am 2. März 1945 in den Tresor der Sakristei dürfte für weitere Verluste gesorgt haben. Objekte des Kirchenschatzes befinden sich heute im Museum Schnütgen in Köln, im Hess. Landesmuseum in Darmstadt oder gelangten nach St. Maria Lyskirchen.

Teile des Kirchenschatzes der nahegelegenen Pfarrkirche St. Jakob wurden ihrerseits nach 1825 an die Georgskirche abgegeben. Im Jahr 2000 wurde für den heute existierenden Kirchenschatz bei der Renovierung des Kirchenraums durch Ingrid Bussenius eine Schatzkammer im nördlichen Seitenchor eingerichtet.

Kunstwerke

Zum ursprünglichen Besitz von St. Georg gehört dieses Evangeliar mit zahlreichen Miniaturen und Textzierseiten. Evangeliare enthalten die Schriften der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes als fortlaufende Texte.

Besonders kostbar ist der Buchdeckel des Evangeliars gestaltet, den ein aus mehreren Teilen zusammengesetztes Walrosszahnrelief mit Kreuzigungsszene ziert. Teile des Reliefs, z. B. die Füße und Arme des Christus, sind verloren. Das Kreuz wird von Engeln gehalten. Christus ist von Maria, Johannes sowie anderen Personen und Symbolen umgeben. Die Rahmung des zentralen Bildes besteht aus vergoldetem Kupferblech mit vier Bergkristallen in den Rahmenecken. Reliefierte Darstellungen der hll. Georg und Anno verweisen auf die Herstellung für das Georgsstift.

Das Evangeliar wird häufig auch als Lyskirchen-Evangeliar bezeichnet, da es Anfang des 19. Jh. in die benachbarte Pfarrkirche St. Maria Lyskirchen gelangte und es später in das Museum Schnütgen transferiert wurde. 

Lyskirchen-Evangeliar, Köln, Pergamenthandschrift um 1100–1120, Buchdeckel, Köln, um 1050 und Ende des 15. Jh.

Als Reliquiar werden Behältnisse bezeichnet, in denen Reliquien, also Überreste von Heiligen wie z.B. Gebeine, aufbewahrt werden.

In diesem als Arm gefertigten Reliquiar befinden sich gemäß der Beschreibung auf dem einliegenden Pergament Teile eines Armknochens des hl. Georg. Nach einer Lebensbeschreibung über Erzbischof Anno II. hatte dieser die Georgsreliquie von St. Pantaleon an St. Georg gebracht. Dass es für diese Armreliquie auch mittelalterliche Behältnisse gegeben haben muss, ist aus verschiedenen Schatzverzeichnissen überliefert, u. a. bereits zu Beginn des 15. Jh. Die mittelalterlichen Reliquiare für die Hauptreliquie von St. Georg sind jedoch alle verloren. So stellt dieses barocke Armreliquiar den Ersatz für die verlorenen Behältnisse dar, in die der Georgsarm übertragen wurde. 

Armreliquiar des hl. Georg, Holz, farbig gefasst, 17./18. Jh.

Von den drei vollrund gearbeiteten Bischofsbüsten aus der Schatzkammer von St. Georg lässt sich die linke Büste genauer bestimmen. Sie zeigt Erzbischof Anno. II., den Gründer des Stifts und der Kirche St. Georg.

Die Figur ist in mit einem Gewand und einem halbrunden, ärmellosten Mantel bekleidet. Die linke Hand hielt ursprünglich einen Bischofsstab, die rechte ein Modell der Georgskirche, das seit 1980 verloren ist. Auf dem Kopf befindet sich eine recht steil gestaltete Mitra, die bischöfliche Kopfbedeckung.

Die beiden anderen Bischöfe, einer vollbärtig, der andere bartlos, sind unbekannt. Sie sind ähnlich gekleidet, doch der Chormantel wird in der Mitte der Brust durch ein verglastes Reliquienbehältnis geschlossen. Beide hielten ursprünglich ebenfalls in der einen Hand einen Bischofsstab, die jeweils andere Hand zeigt eine bewegte Gestik.

In der ehemaligen silbernen Farbfassung ahmen die Figuren kostbare Goldschmiedereliquiare nach. Die Bischofsbüsten der unbekannten Bischöfe stehen die Silberstatuetten vom Engelbertschrein des Kölner Doms (1633) nahe. Die Büste des hl. Anno hingegen steht eher in der Tradition der Figur des hl. Heribert vom Hochaltar in St. Aposteln (1761).

Drei Bischofsbüsten, Nussbaumholz, versilbert (Zweitfassung), ursprünglich vergoldet, 3. Viertel des 18. Jh.

Kusstafeln wurden zur Überbringung des Friedensgrußes in der Messfeier gereicht, wenn die Gläubigen nicht an der Eucharistiefeier teilnahmen. Die hier in St. Georg erhaltene Kusstafel gilt als ältestes, zudem durch eine allerdings unbekannte Marke eines Meisters gekennzeichnetes Werk. 

Im Zentrum ist eine in Perlmutt gearbeitete Kreuzigungsszene zu sehen. Links neben dem Gekreuzigten sind Maria und Johannes, rechts von Christus sind ein Hauptmann mit Schild und ein Soldat in spätgotischer Rüstung zu finden. 

Das Rahmenwerk aus Silber zeigt Stilelemente der Gotik (Strebewerk mit Fialen und Kreuzblumen) sowie der Spätrenaissance (Kielbogenmaßwerk, Blütenranken u. ä.). 

Kusstafel, Perlmutt-Relief, um 1470; Rahmenwerk, Silber, 1557