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St. Severin
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Krypta & Ausgrabungen
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Krypta & Ausgrabungen

Krypta & Ausgrabungen | Unter der Kirche

Ein historischer Kosmos entfaltet sich hier! Grabkammern und Sarkophage aus der Frühzeit des römischen Köln bis zum Frühmittelalter bezeugen Trauerriten längst verschwundener Jahrhunderte.

Reste der beiden Vorgängerkirchen St. Severins sind Dokumente ‚ergonomischer‘ Mauertechniken der Vergangenheit. Oder die komplexe Kryptenanlage, sie lässt die Entwicklung dieses speziell mittelalterlichen Orts des christlichen Gedenkens vom 10. bis zum 15. Jh. nachvollziehen. Und wahrlich not least: Das Sacrarium mit den kostbaren Fundstücken aus dem Severinusschrein bietet nicht nur viele Hinweise auf Kölns dritten namentlich erwähnten Bischof sondern auch Einblick in die transkontinentalen Handels- und Kulturbeziehungen der Colonia im Laufe ihres ersten Jahrtausends.

In der Ausgrabungszone ist zu sehen, wie die Pfeilerfundamente des östlichen Langhausjochs der heutigen Kirche die ergrabenen Reste des spätantiken Saalbaus an dessen Eckpunkten umschließen.

Letzterer war also zur Zeit des ottonischen Baus im 10. Jh. noch bekannt und diente als baulicher Ausgangspunkt, obwohl doch in der Zwischenzeit anstelle seiner der frühmittelalterliche Stiftskirchenbau des 8. Jh. errichtet worden war. Doch auch dieser hatte sich bereits am spätantiken Ursprungsbau orientiert und zumindest dessen Ostwand in die neue Kirchenanlage integriert. Im nördlichen Ausgrabungsbereich sind deren mächtige, aus übereinandergestellten und verfüllten antiken Sarkophagen aufgestapelten Fundamente zu erkennen. Grüne Bodenzeichnungen im Westteil der Grabung zeichnen ihren Westteil mit Rechteckchor nach.

Die Grenzen der bis ins 9. Jh. entstandenen zwei Kirchenbauten wurden erstmals 948 unter Bischof Wichfrid durch die Anlage der Confessio nach Osten hin erweitert. Das darauf hin immer weiter östlich ausgreifende Bausystem St. Severins lässt sich in der Unterkirche anhand der bauzeitlich bestimmbaren Einzelkrypten nachvollziehen.

Unmittelbar an die Confessio schließt die unter Erzbischof Hermann II. um Mitte des 11. Jh. geschaffene, dreischiffige Hallenkrypta unter dem Langchor an. Deren östliche, an höheren Pfeilern erkennbare Erweiterung erfolgte im Zusammenhang des Chorneubaus bis 1237; die Malereifragmente an den dortigen Gewölben sind von etwa 1300.

Unter der nördlichen Chorkapelle befindet sich eine romanische Vorkrypta der Zeit um 1100; sie wird heute als Taufkapelle genutzt. Nach 1300 entstand im Zuge des Baus der gotischen Sakristei St. Margaretha die mit Kreuzgratgewölben versehene Südkrypta. Sie dient heute als Schatzort (Sacrarium) für die Funde aus dem Severinschrein.

Von der ottonischen Confessio kommend wird Richtung Westen der frühchristliche Saalbau erreicht. Die Fußbodenhöhe dieser allerersten Kirche vor Ort ist an Putz- und Estrichansätzen der Apsis sowie am abgeschlurften Deckel eines in den Grund eingelassenen Sarkophags im Westteil zu erkennen.

Im gesamten Bereich der Grabung sind eine Vielzahl römerzeitlicher Sarkophage an deren kastenförmigen, aus einem Stein gehauenen Wannen mit ebenso monolithischen (griech. monólithos, Einstein) Deckeln zu erkennen. „Römerzeitlich“ heißt: Diese Sarkophage stammen zwar aus antik-römischer Produktion, sie können aber mehrfach und durchaus bis ins Mittelalter wiederverwendet werden.

Von römerzeitlichen Sarkophagen gut zu unterscheiden sind die fränkischen sogenannten Plattengräber des 6. bis 8. Jh. Sie bestehen aus einzelnen aufrecht gestellten und in die Erde eingelassenen Steinplatten.

Beispiele hierfür sind das „Grab der reichen Frau“ (6. Jh.) und das „Grab des Sängers“ (um 700) zu Seiten der Mittelachse des spätantiken Saals.

Die als Standort für einen 948 unter Erzbischof Wichfrid neu geschaffenen Severinschrein geschaffene Grabkammer besteht aus der zentralen tonnengewölbten Confessio und drei umliegenden gewölbten Gängen.

Vor Bau der frühsalierzeitlichen Langhauskrypta wird es noch einen weiteren, ringförmigen östlichen Gang um die Confessio gegeben haben. Dies erste nachweisbare Grab des Severin stellt eine Frühform der mittelalterlicher Krypta dar. Die Bestattungen der Heiligen in sog. Ringstollenkrypten waren so ausgerichtet, dass der Blick des Verstorbenen nach Osten wies, er somit gewissermaßen seinem am Ende der Zeit wie die Sonne aus dem Osten wiederkehrenden Erlöser, nämlich Christus, entgegenblickte.

Der Kopf lag im Westen, die Füße im Osten. Beter und Pilger näherten sich daher über die östlich gelegenen Ringstollen dem Heiligen ehrfurchtsvoll zu dessen Füßen, sie ‚tanzten‘ ihm solchermaßen ‚nicht auf dem Kopf herum‘. Kleine Öffnungen in der Tonne der Confessio vermittelten das Heil des Heiligen in den darüber befindlichen Kirchenraum.

Im 2005 eingerichteten Sacrarium in der gotischen Südkrypta werden die 1999 im Severinusschrein aufgefunden Textilien bewahrt.

Der Textilfund von St. Severin hat europäischen Rang, denn die verbliebenen Gebeine des Heiligen waren doch nicht, wie üblich im Mittelalter, in zerschnittene und vereinzelte Seidenstoffe gehüllt. Seine sterblichen Überreste wurden in teils vollständig belassenen quadratmetergroßen und kostbarste Stoffbahnen ‚eingekleidet‘. Neben drei ehemals in der Liturgie verwendeten Leinentextilien des 8. bis 10. Jh. fanden sich vier große Seidenbahnen aus mediterraner und zentralasiatischer, frühislamischer Produktion des 7. bis 9. Jh. Das Fragment eines spätestens um 420 gewirkten sog. Blöckchendamasts brachte neben weiteren Fundstücken den Nachweis einer um 400 in Köln ansetzenden Verehrung Severins und der im Schrein befindlichen Reliquien. 

Die in byzantinischer Zellenschmelztechnik gefertigte Bildnisscheibe aus der Zeit um 1000 stammt vom 1795 eingeschmolzenen mittelalterlichen Severinusschrein. Sie zeigt den thronenden Severin innerhalb einer ihn historisch nicht korrekt als Erzbischof bezeichnenden Umschrift S(an)C(tu)S SEVERINVS ARCHIEPISCOP(us).