Während die Kirche im Hauptschiff die Maße des Tempels übernahm, schuf der im 11. Jh. angesetzte Kleeblatt- oder Dreikonchenchor einen beeindruckenden Raumkörper und stellte eine wegweisende Neuschöpfung dar. Die Kleeblattlösung ist in einer schlichteren Form in der Geburtskirche in Betlehem zu finden. Nicht auszuschließen, dass dieses Vorbild in Köln bekannt war. Die drei gleichförmigen, halbrunden Chorräume mit ihrer umlaufenden Pfeilerreihe waren jedenfalls stilbildend für viele spätere romanischen Kirchen. Gestützt wird dieser neue Bauteil im Osten von einer gewaltigen, schlicht ausgestatteten Krypta im Unterbau.
Kleeblattchor | Bilder von Leiden und Legenden
Kunstwerke

Ungleich volksnäher wirkt die Hermann Josef-Madonna am Pfeiler daneben aus dem späten 12. Jh., ein frühes abendländisches Beispiel für eine Skulptur im byzantinischen Typus der Madonna Eleusa (die Barmherzige).
Sie war ursprünglich wohl Teil eines Reliefs. Auffallend sind die hier immer ausgelegten Äpfel, die auf eine seit Jahrhunderten gepflegte Volkslegende zurückgehen. Hermann Josef soll um 1300 als Schulkind täglich die Kirche besucht haben, und irgendwann dem Jesuskind einen Apfel angereicht haben - ob aus Frömmigkeit oder weil er dachte, das Kind sieht hungrig aus, sei dahingestellt. In der Legende nahm die Madonna den Apfel dankbar an. Hermann Josef wurde später Mönch im Kloster Steinfeld in der Eifel und dort als Seelsorger und Prediger so beliebt, dass er als Heiliger verehrt wird – mit vatikanischem Segen allerdings erst seit 1958. Die Legende lebt jedenfalls weiter und regelmäßig legen Gläubige Äpfel vor der Madonna ab.
Madonna, Sandstein, Ende 12. Jh.




