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St. Ursula
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Westbau & Empore
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Westbau & Empore

Westbau & Empore | Eine weithin sichtbare Krone

Die 1106–1135 erbaute Kirche erhielt einen zweigeschossigen Westbau und einen massiven quadratischen Turm.

Die Fundamente des Turms sind separat von den Fundamenten der Vorhalle wohl erst nachträglich geplant und gebaut worden, was statisch wiederholt Probleme mit sich brachte. Verstärkung von Wänden, Verkleinerungen von Durchgängen und das zusätzliche Einziehen separater Wände lösten das Problem nicht und führten 1832 zur Schließung des Westbaus. Erst 1877 wurde das Langhaus wieder mit dem Westbau verbunden und die Wände geöffnet. 1680 wurde nach Blitzeinschlag und Brand der Turm mit einer barocken Haube gekrönt und mit einer Laterne mit Spangenkrone als Zeichen der Königswürde der hl. Ursula versehen.

Massiv und ungegliedert

Von außen erkennt man an den einfachen Blendarkaden in der Westfassade den Ansatz der ehemaligen Stiftsgebäude bzw. des zweigeschossigen Kreuzgangs, die hier im Westen der Kirche einst anschlossen.

Die Stiftsgebäude waren über den Kreuzgang früher mit der Kirche verbunden, Türen führten sowohl im Erdgeschoss als auch auf Höhe der Empore in die unterschiedlichen Bereiche der Kirche. 

Der Westbau dient gewissermaßen als Vorhalle, er ist vier Joche breit und zwei Joche tief. In den nördlichen beiden Jochen ist seit 2004 die Sakristei untergebracht. Eine Vorgängerin der heutigen Goldenen Kammer ist seit dem 14. Jh. überliefert und war einst in den südwestlichen Jochen der Vorhalle untergebracht.

Ein Raum für die Stiftsdamen

An St. Ursula lebte über Jahrhunderte eine Gemeinschaft adliger Stiftsfrauen.

Der Kölner Erzbischof Herman I. hatte die Kirche 911 einer Gemeinschaf aus Düsseldorf-Gerresheim übergeben, die vor den Ungarn geflohen waren. Die Damen brachten Reliquien des hl. Hippolytus, ihres Kirchenpatrons, mit. Die Stiftsgemeinschaft bestand bis zu Beginn des 19. Jh. 

Die über der Vorhalle befindliche Empore war vom Kreuzgang aus erreichbar. Sie ragt im Inneren um ein Joch über die Vorhalle ins Kirchenschiff hinein. Die Stiftsdamen nutzen den Raum für Gebetszeiten, Versammlungen und als Kapitelsaal, heute noch sichtbar an den erhaltenen steinernen Sitzbänken mit Rückwand aus der Erbauungszeit im 12. Jh. Es lassen sich Anzeichen einer liturgischen Nutzung anhand eines Altarfundaments an der Brüstung nachweisen. Diese Empore steht somit ursprünglich in enger Verbindung mit dem Stift. Die Treppe zur Empore in der Vorhalle wurde erst 1877 eingebaut, nachdem der ehemalige Kreuzgang abgebrochen worden und die Empore nicht mehr erreichbar war. 

Kunstwerke

Auf der Empore über der Vorhalle befindet sich seit 2005 der Kirchenschatz von St. Ursula. 

Zu den herausragenden Stücken gehört ein Bergkristall-Löwe des 9./10. Jh., der vermutlich wegen seiner Kostbarkeit in einer Zweitverwendung zu einem Reliquiar umgearbeitet wurde. Er könnte nach neuesten Forschungen im heutigen Irak gefertigt worden sein. Ebenfalls erhalten sind drei unterschiedlich große, seidene Stoffe des 8./9 Jh., die bis 1871 die Reliquien im mittelalterlichen Hippolytusschrein umhüllten und Erzeugnisse von Werkstätten im Nahen Osten sind. Weitere Stoffe und Borten finden sich in einer Wandvitrine. Darüber hinaus sind liturgisches Gerät, besondere Reliquiare und ein Bilderzyklus der Zwölf Apostel auf Schiefertafeln zu sehen sowie der obere Teil eines Äbtissinnenstabs, einer Krümme (um 1470/80), mit Darstellungen der hll. Maria und Ursula als Schutzmantelfiguren auf je einer Seite.

In den mittleren Arkadenöffnungen der Seitenemporen stehen insgesamt sechs figürliche Reliquiare, fünf weibliche Jungfrauenbüsten und eine männliche Büste, die durch die päpstliche Tiara als der legendäre Papst Cyriakus der Ursulavita zu erkennen ist.

Diese Doppelbüsten, konzipiert für die Betrachtung von zwei Seiten, vom Mittelschiff und von den Emporen, sind in gleicher Haltung betend im Oberkörper bis zur Hüfte dargestellt. Unterhalb der Brust befinden sich passförmige Sichtöffnungen. Die Doppelseitigkeit der Büsten und die Sichtöffnungen legen die Vermutung nahe, dass sie einerseits eigens für diesen Standort als doppelte Halbfiguren geschaffen wurden, und dass andererseits diese Büsten Reliquiare, Repräsentations- und Andachtsbilder zugleich waren. 

Charakterisiert werden die um 1500 entstandenen bemalten Holzskulpturen durch ihre vornehm-bürgerliche Tracht und individuell geschnittenen Gesichtszüge. Die Modellierung der Gesichter wirkt sehr natürlich und keinesfalls stilisiert. Sie sind eher als Abbilder gedacht, wie es für die Kunstauffassung an der Wende zum 16. Jh. bezeichnend ist. So wie die Skulpturen der Schutzmantelursula, der Maria und des Christus Salvator im Marienschiff, sind diese Doppelbüsten der Werkstatt oder dem Umkreis des Tilman Heysacker gen. Krayndunck zugeschrieben worden. Sie zeugen von einer zu dieser Zeit offenbar wieder in größerem Maße betriebenen Produktion von Reliquienbüsten in Köln.