Nachdem 1925 bei Ausschachtungsarbeiten unter dem Kreuzgang eine spätrömische Grabkammer des 4. Jh. zutage gekommen war, wollte der damalige Leiter der Abteilung für Römisch-Germanisches an den Kölner Museen, Prof. Fritz Fremersdorf (1894–1983), endlich einmal unter der Kirche graben.
Länger schon vermuteten Fremersdorf und seine Fachkollegen, dass sich hier Aufschluss über die unbekannte früheste Zeit des Christentums im Rheinland finden ließe. Denn St. Severin steht über einem riesigen Gräberfeld, einer ab dem ersten Jh. genutzten Nekropole. Und unterhalb der ältesten Teile der Kirche müsste sich das erste Grab des Severin, des dritten namentlich bekannten Bischof Kölns finden lassen, so die Überlegung. Von Bischof Severin war seinerzeit nur bekannt, dass er ein Zeitgenosse des hl. Martin von Tours, also ein Mann der Spätantike um 400 gewesen sein müsste – wenn es ihn denn je gab! Einer Notiz des fränkischen Geschichtsschreibers Gregor von Tours (6. Jh.), Severin habe in Köln vom Tode Martins über 650 Kilometer Entfernung durch eine Engelvision Kenntnis erhalten, wollte man im 20. Jh. nicht mehr ohne weiteres Glauben schenken. Da brauchte es handfeste archäologische Zeugnisse!
Aber erst 1938 war es so weit. Fremersdorf durfte sich ab Höhe des Zelebrationsaltars mittelaxial unter dem Fußboden Richtung Westen graben. Dort, an prominenter Stelle, hoffte er durch einen Grabfund die reale Existenz des Severin von Köln und seine bereits 1.500 Jahre währende, kontinuierliche Verehrung nachweisen zu können. Heute wissen wir, dass ein von Fremersdorf als das des Severin ‚erkannte‘ Grab tatsächlich Bischof Anno I. (†715) zugehörte. Dennoch hatte er und seine Mitarbeiter Entscheidendes geleistet.
Ihre wertvollste Entdeckung war ein kleiner, mit Westapsis versehener Saalbau unterhalb des ersten östlichen Langhausjochs. Sofort war klar: Dieser kleine erste Bau war über mehr als tausend Jahre Ausgangspunkt und Urmaß aller weiteren Baumaßnahmen vor Ort. Weiteren Aufschluss über die Verehrung des Severin von Köln brachte erst die spektakuläre Öffnung des Severinusschreins im Jahr 1999.




