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St. Aposteln
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Aposteln-Aula
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Aposteln-Aula

Aposteln-Aula | Lichtdurchfluteter Raum für den Werktagsgottesdienst

In den ersten Nachkriegsjahren feierte die Apostelngemeinde Gottesdienst in einer vor das südliche Seitenschiff gesetzten backsteinernen Notkirche.

Mit Abschluss der ersten Wiederaufbauphase und Neubelebung des Hauptraums erhielt sie an selber Stelle einen lichtdurchfluteten Raum einer Werktagskirche, die nach dem ersten Nachkriegspfarrer benannte Pastor-Könn-Aula. Die für ihre Bauzeit 1956/57 typische, mit einer durchgehenden Fensterfront versehene Betonständerarchitektur schließt im Norden an die steinsichtig belassenen Teile der südlichen Seitenschiff- und Konchenwand der mittelalterlichen Kirche an.

Nach Renovierung 2023/24 und behutsamer Neueinrichtung wurde der für kulturelle Veranstaltungen und pastorale Begegnungen nutzbare Saal in „Aposteln-Aula“ umbenannt. Besonders hervorzuheben ist die herausragend sensible Akustik des Raumes, die ihn für kammerkonzertante Aufführungen besonders geeignet sein lässt.

Kunstwerke

Ludwig Gies, der entwerfende Künstler der Fensterwand in der Aposteln-Aula, war 1950–1962 Professor für Bildhauerei, Steinmetz- und Friedhofskunst an den Kölner Werkschulen. Viele Kölnerinnen und Kölnern kennen seine Fenster in der Kapelle St. Kolumba (sog. Madonna in den Trümmern). Dort wie hier ist der für Gies typische Vierklang von Weiß, Hellgrau, Blau und Gelb der Scheiben zu sehen.

Gies‘ bekanntestes Kunstwerk ist der „Fette Henne“ genannte, nach dem Zusammenbruch des verbrecherischen Naziregimes ganz bewusst unkämpferisch gehaltene Bundesadler im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Bonn. Das Fenster der Aposteln-Aula zeigt die Aussendung der Gefährten Jesu (Mt 10): Christus sendet seine Jünger in die Welt, damit sie auf Gefahr an Leib und Leben - sie alle wurden Märtyrer - allen Bedürftigen Wohltäter würden.

In Gies‘ Wiedergabe des Moments der Aussendung scheinen zunächst alle Apostel, von einem dynamischen Lichtband überstrahlt, bereitwillig auszuziehen. Bei näherer Betrachtung aber zeigen sich in den Gesichtern die individuellen Regungen: Ergebenheit, Wagemut, Erschöpfung, Furcht …

Die Aussendung der Apostel, Glasmalerei, Ludwig Gies, 1955/56

St. Aposteln Hl. Paulus, Kalkstein, 1160–1170

Die auf knappe Untersicht gearbeitete Skulptur aus Kalkstein mit Inschrifttafel S(anctus) PAVL(us) AP(osto)L(us) befand sich ehemals knapp unter dem ersten Geschossgesims des Westturms (dort steht aus konservatorischen Gründen seit 1988 eine Kopie).

Die in der Gesamtstatur etwas gedrungene Gestalt erhält Schlankheit und Vornehmheit durch einen eng und parallel geführten, fast scharfgratigen Faltenwurf der Kleidung. Mit dem hierdurch vorgestellten Textil ist Seide gemeint, also ein sehr dünnes, doch relativ schweres Material, erkennbar auch an den auf Knien und Unterschenkeln glatt anliegenden Bahnen. Die beschriebenen Gestaltungsmerkmale wurden im Rheinland ab Mitte des 12. Jh. von byzantinischen Vorbildern übernommen.

Für die Zeit ungewöhnlich ist aber die dem Saumverlauf nach einer romanischen Kasel ähnelnde, zwischen den Beinen der Figur in Zungenbahnen herabhängende Stoffbahn. Sie könnte auf eine vielleicht erst um 1200 anzusetzende Entstehungszeit der Figur hinweisen.

Hl. Paulus, Kalkstein, 1160–1170