Der Name „St. Maria im Kapitol“ deutet schon auf eine Besonderheit hin: Diese Kirche steht am Platz des römischen Kapitolstempels und ist auf den Resten des antiken Baues aus dem 1. Jahrhundert errichtet worden. Zweitausend Jahre Geschichte an diesem Ort! Als der italienische Dichter Francesco Petrarca 1333 Köln und die Kirche St. Maria im Kapitol besuchte, fiel ihm im Vergleich mit dem römischen Kapitol auf, dass hier in Köln nächtliche Lobeshymnen gesungen würden, während in Rom der Senat im Kapitol über Krieg und Frieden Rat hielt. Im römischen Kapitol schritt der Kriegsfürst einher, hier in Köln der Friedensfürst.
Der römische Kapitolstempel des 1. Jh. wurde Anfang des 8. Jh. zu einer christlichen Kirche umgebaut. Plektrudis, Ehefrau des fränkischen Hausmeiers Pippin des Mittleren, gilt als Kirchengründerin. Ida, Äbtissin im 11. Jh., stiftete gemeinsam mit ihrem Bruder, Erzbischof Hermann II., den Neubau der romanischen Kirche so wie sie heute noch dasteht – trotz einiger Veränderungen. Für das Selbstbewusstsein der Äbtissin spricht, dass sie ihre Empore auf der Westseite mit einer Säulenstellung schmücken ließ, die eine Kopie der Gestaltung im Aachener Kaiserdom ist.
In St. Maria im Kapitol wirkten seit dem 12./13. Jh. einflussreiche Frauen im Damenstift und zugleich hinterließen wohlhabende Kölner Kaufleute und Händler ihre Spuren als Stifter großartiger Kunstwerke. Zwischen der Bürgerschaft und dem Rat der Stadt einerseits und St. Maria im Kapitol anderseits bestanden besondere Beziehungen: wichtige Festtage und Gottesdienste, wie z.B. Dankgottesdienste bei der Einführung neuer Bürgermeister wurden hier abgehalten. Im Mittelalter feierte der Kölner Erzbischof am 24. Dezember das erste Hochamt in der Kapitolskirche, um sich dann auf einem weißen Maultier nach St. Cäcilien und danach in den Dom zu begeben.
Ein Prunkstück der Kirche ist die einzigartige, fünf Meter hohe Holztür, welche die Jahrhunderte mit nur geringen Schäden überstanden hat. Sie war schon zur Weihe der romanischen Kirche Mitte des 11. Jh. fertiggestellt. In 26 Szenen ist das Leben Christi in einer Lebendigkeit und kunsthandwerklichen Meisterschaft dargestellt, für die kein Vorbild bekannt ist. Zu den Stiftungen Kölner Bürger zählen u. a. der raumbeherrschende und -trennende Lettner von 1525, ein seltenes Werk der Renaissance in Köln, sowie zwei angebaute Kapellen in gotischen Bauformen.





