Zum Inhalt springen
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Langhaus
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Langhaus
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Langhaus
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Groß St. Martin
Langhaus

Langhaus | Typisch spätromanisch

Das Langhaus wurde wohl nach Weihe des Dreikonchenchores und einer Bauunterbrechung aufgrund neuerlichen Brands 1185 begonnen. Die bauliche Vollendung der Kirche wird für 1250, also nach genau 100 Jahren Gesamtbauzeit angesetzt.

Im Langhaus findet sich fast durchgängig der gotische Spitzbogen. Überhaupt sind der dreizonige Wandaufbau (Arkaden – Scheintriforium – Obergaden), die Kreuzrippenwölbung oder die Zweischaligkeit der Westwand deutlich an nordfranzösischen Bauten des Gothique primitif angelehnt. Dennoch ist Groß St. Martin kein gotisches Bauwerk, sondern ein typisches Erzeugnis kölnisch-rheinischer Spätromanik, da die Betonung hier weniger auf einer möglichst gleichmäßigen Durchlichtung (die lichtdurchfluteten Wände der Gotik), denn auf eine sehr plastische Gliederung und Massenaushöhlung der Wände gelegt wurde.

Langhaus und Vierung sind mittels eines kurzen, tonnengewölbten Zwischenjochs miteinander verbunden. Dieses Zwischenjoch schied den Gebetsraum, einen sog. Chorus minor, für die Laienbrüder des Konvents aus. Gleichzeitig verbindet dieses Zwischenjoch das basilikale Langhaus architektonisch mit dem östlich gelegenen zentralisierenden Dreikonchenchor.

Kunstwerke

Wie ein siamesischer Zwilling teilte die im frühen 12. Jahrhundert gebaute Kirche St. Brigida, ehemals Pfarrkirche des Groß St. Martin beigeordneten Sprengels, ihre nördliche Schiffwand mit der südlichen Schiffwand der jüngeren Klosterkirche.

Der Chorgrundriss der nach 1805 abgerissenen Leutekirche St. Brigida ist neben Groß St. Martin im Hofpflaster nachgebildet. Von ihr hat sich lediglich der Sockelstumpf des Glockenturms erhalten. Das kleine Raumquadrat im südwestlichen Ecke der Martinskirche ist deshalb der hl. Brigida zugedacht.

Die im Jahr 524 verstorbene Heilige war Gründerin des irischen Doppelklosters Kildare und wird als Schutzheilige des Hausviehs und der Viehzucht verehrt. Ihren Zuständigkeiten entsprechend liegen in ihrem winzigen Andachtsraum Reste eine Fußbodenmosaiks des 19. Jh. aus.

Dargestellt sind noch sechs der ehemals sieben fetten Kühe Ägyptens. Die über den Kunsthandel 1984 erworbene barocke Holzfigur der Brigida zeigt die Heilige in Tracht und mit Krummstab als Äbtissin ihres Klosters.

Hl. Brigida, Holz, farbig gefasst, 17./18. Jh

Der hölzerne Schmerzensmann stammt aus der Werkstatt des um 1500 meistbeschäftigten Kölner Bilderschnitzers Tilman Heysacker gen. Krayndunck. Kennzeichen dieses Meisters sind beispielsweise die melancholisch hochgezogenen Augenbrauen und die feingliedrige Physiognomie seiner Figuren.

Der Schmerzensmann in Groß St. Martin zeigt einen Christus der Passion, der - wie einst von Pontius Pilatus vor die Menge geführt – seit nun über 500 Jahren an jeden Gläubigen die Frage richtet: „Wie stehst Du zu mir?“ Der vorgestellte Moment der Verurteilung Jesu fand der biblischen Erzählung nach vor der eigentlichen Passion statt.

Dennoch wird Christus hier mit Dornenkrone und realistisch ausgebildeten Wundmalen als Der der vollendeten Passion dargestellt. Solch spätgotische, inhaltlich verdichtete Andachtsbilder setzen voraus, dass die zeitgenössischen Betrachtenden aus ihnen in richtiger Reihenfolge und Sinn die gesamte Geschichte ‚herauslesen‘ konnten. 

Das Fragment eines romanischen Schmuckfußbodens zu Füßen der Figur zeigt einen vergnügten Löwen mit aus dem Maul sprießender Ranke – Zeichen des aus Christus erwachenden neuen und ewigen Lebens.

Ecce Homo (Schmerzensmann), Holz, farbig gefasst, Tilmann Heysacker gen. Krayndunck, Anfang 16. Jh.

Groß St. Martin - Langhaus - Grablegungsgruppe

Auch im Nordseitenschiff finden sich Arbeiten aus der Werkstatt Meister Tilman Heysacker gen. Krayndunck.

Es sind dies die spätgotische Kreuzigungsgruppe mit Christus, Maria und Johannes sowie die Grablegungsgruppe, welche Josef von Arimathäa und Nikodemus bei der Totenbettung Jesu, beweint von dessen Mutter Maria und deren Halbschwestern Maria Kleophas und Maria Salomas, zeigt.

Gehört auch die Grablegung zur Kreuzaltarstiftung des Kölner Bürgermeisters Johann von Aich (Aachen), der 1509 „zum Gedächtnis und zur Verehrung der Leidensgeschichte unseres Herrn Jesus Christus … ein bedeutsames Kreuz und einen Kreuzaltar anfertigen und aufstellen ließ“? Für die Kreuzigungsgruppe war möglicherweise von Anfang an die nach dem Krieg wiederentdeckte flache Bogennische in der Nordseitenschiffwand als Standort vorgesehen.

Die mit zierlichen Konsölchen und fialbekrönten Maßwerkbaldachinen versehene Nischenrahmung (dies vielleicht eine ältere Heiliggrabnische) zeigt links und rechts in den Bogenanfängersteinen die ihrer Auferstehung harrenden Adam und Eva.

Kreuzigung und Grablegung, Tilmann Heysacker gen. Krayndunck, 1509 

Das rund 800 Jahre alte spätromanische Taufbecken hat eine ungewöhnliche Gestalt. In Form eines langgezogenen Achtecks erlaubt das damit einer Wanne ähnelnde Becken ein beinahe zärtliches Hineinlegen des Täuflings ins Wasser.

Vielleicht sucht das Becken aus hellem Kalkstein aber auch den Vergleich mit einem Sarkophag, also eine Andeutung von Tod und Auferstehung, gemäß dem Pauluswort, dass der Mensch aus der Taufe auf Christi Tod als der neue, mit dem Kleid Christi versehene und dem ewigen Leben teilhaftig werdende Mensch hervorgehe. Dazu würde die Gestaltung des Beckenrands mit umlaufendem, aus den Mäulern kleiner Löwenköpfe entwachsendem Rankenband passen. Der Löwe ist in der romanischen Figurenkunst als Bild für Christus und Auferstehung zu verstehen.

Ob das Becken ursprünglich der vormaligen Pfarrkirche St. Brigida angehörte oder für die familia Groß St. Martins, also für die weltlichen Angestellten des Klosters angefertigt wurde, muss offenbleiben.

Taufbecken, Kalkstein, Anf. 13. Jh.