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St. Andreas
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Querhaus - Marienchor
St. Andreas
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Querhaus - Machabäerchor

Querhaus | Spätgotischer Bauteil mit moderner Malerei

Bereits der Kirchenbau des 11. Jh. besaß ein Querhaus, der an ein Langhaus mit Chor anschloss. Zwischen 1170/80 und der Mitte des 13. Jh. wurde dieser salische Bau weitestgehend durch einen staufischen Neubau ersetzt.

Der nördliche Querarm wurde im frühen 13. Jh. neu errichtet, was an den Resten der staufischen Wandgliederung zu erkennen ist. Der südliche Querarm wurde gegen Ende des 15. Jh. in spätgotischer Gestaltung neu errichtet. Der Nordarm wurde in dieser Zeit noch einmal umgebaut und erhielt um 1470/80  gotische Lanzettfenster sowie ein neues Gewölbe. Die staufische Außengestaltung blieben erhalten. Während des Zweiten Weltkrieges erlitt das südliche Querhaus schwere Schäden. Beim Wiederaufbau wurden das Gewölbe, die Strebepfeiler und das Maßwerk rekonstruiert. Die ehemaligen hohen Satteldächer der Querarme wurden durch flache Dächer ersetzt. Die Fenster wurden mit einer hellen Einfachverglasung versehen.

Die Glasmalereien des Querhauses stammen von Markus Lüpertz. Sie bilden einen Zyklus, der 2010 durch die Fa. Derix Glasstudios (Taunusstein) fertig gestellt wurde. Lüpertz ist bekannt für seinen expressiven und farbenfrohen Malstil, was sich auch in der Glasmalerei zeigt: Die ineinandergreifenden und überlappenden Linien und Striche wurden mithilfe der zahlreichen Bleiruten in ein Glasgemälde verwandelt.

Einen weiteren Glasmalereizyklus schuf Lüpertz für die acht Fenster des Langhauses. Drei weitere Fenster für die Vorhalle sind aktuell (2025) in Planung.

Kunstwerke

Im Marienchor befindet sich eine gotische, farbig gefasste Holzskulptur, eine Pietà.

Maria sitzt auf einem Hocker und hält den Leichnam ihres Sohnes in den Armen. Die Bordüre ihres Gewandes ist mit Steinimitationen verziert. Jesus sitzt aufrecht, aber mit nach hinten fallendem Kopf auf ihrem Schoß. Seine Wundmale an den Händen, den Füßen und seiner Brust sind deutlich zu erkennen. Maria schaut traurig auf ihren Sohn hinab. Die Figur vermittelt den intimen Moment der Trauer einer Mutter um ihr verstorbenes Kind.

Das Vesperbildnis stammt ursprünglich aus der Dominikanerkirche Heilig Kreuz. Als diese 1804 abgebrochen wurde, kam die Figur nach St. Andreas.

  

Pietà, 1345–1355, Weidenholz, farbig gefasst

St. Andreas, Machabäerchor, Marienfenster

Markus Lüpertz hat bei der Themenfindung für die Fenster des Nordquerhauses, wie auch beim Südquerhaus, die Thematik des Raumes miteinbezogen.

Das mittlere Fenster des sogenannten Marienchors zeigt einen direkten Bezug zu der Pietà, die vor dem Fenster aufgestellt ist. Wie auch bei der Figur des 14. Jh. hält Lüpertz‘ Maria Jesus in ihrem Schoß und trauert um ihren verstorbenen Sohn. Die Umsetzung des Glasmalerei-Vesperbildnisses geschieht jedoch in zeitgenössischer, expressiver Manier. 

Die zwei seitlichen Fenster wiederrum zeigen in übereinander gelegenen Bildfeldern die Lehrsätze des hl. Albertus Magnus. Als wichtiger Heiliger des Dominikanerordens und der Stadt Köln nehmen seine Prinzipien zur christlichen Lebensführung ebenfalls eine zentrale Position im Werk Lüpertz‘ ein.

 

Marienfenster, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2010

St. Andreas, Marienchor, F4, Westfenster, Himmel und Hölle

Das kleine Fenster in der Westwand des nördlichen Querhauses wird als „Himmel und Hölle“ betitelt.

Es zeigt oben rechts einen Engelskopf mit Heiligenschein und Flügeln. Der farbenfrohe Hintergrund zeigt ein Muster aus kreisrunden Blumen. Unten rechts verewigte sich der Künstler mit einem Selbstbildnis. 

Himmel und Hölle, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2010

Fenster Die himmlischen Heerscharen

Für dieses Fenster setze Lüpertz kleinfigurige Engel vor einen floral ornamentierten Hintergrund.

Dabei verschmelzen die Engel so stark mit dem Hintergrund, dass sie kaum auszumachen sind. Typisch für den Stil Lüpertz‘ sorgt das verwobene Netz aus Bleiruten zusammen mit der farbenfrohen Gestaltung dafür, dass die Motive erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind.

Die himmlischen Heerscharen, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2010

Im südlichen Querhaus, auch Machabäerchor genannt, steht der namensgebende Machabäerschrein. Als spätmittelalterliches, rheinisches Goldschmiedeerzeugnis steht er in der Tradition bedeutender Reliquienschreine.

Der vergoldete Schrein in Form einer spätgotischen Kapelle beherbergt die Reliquien der sieben Machabäerbrüder und ihrer Mutter Salome. Die Szenen ihrer Legende und ihres Martyriums sind auf dem Schrein dargestellt. In direktem Bezug dazu wurden Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu gesetzt. An den Ecken des Dachgesimses sitzen zusätzlich die vier Evangelisten. Auf den Stirnseiten des Reliquiars wurde die Himmelfahrt Christi zusammen mit den Machabäerbrüdern, sowie der Krönung Mariens und Salome, der Mutter der Märtyrer, dargestellt.

Wie auch der Blutbrunnen stammt der Machabäerschrein aus dem 1802 aufgehobenen Benediktinerinnenkloster zu den heiligen Machabäern. Das Kloster wurde nach der Säkularisierung abgetragen, stand aber einst an der heutigen Machabäerstraße.

Reliquienschrein, Peter Hanemann und Sohn (Goldschmied) und Meister Reynard (Schmied), Holz, Kupfer, vergoldet, getrieben, 1520–1527

St. Andreas, Machabäerchor, Helenenfenster

Die Fenster im südlichen Querhaus thematisieren das Schicksal der Machabäerbrüder und ihrer Mutter Salome.

Der Zyklus beginnt mit dem sog. Helenafenster. Es ist der hl. Helena gewidmet, der Mutter des Kaisers Konstantin. In der unteren Zone des Fensters ist die Wiederauffindung der Gebeine der Machabäer durch die Kaisermutter dargestellt. Die Heilige blickt hinab auf die Totenköpfe, die sich unter ihr stapeln. 

Die obere Zone stellt den Bezug zu Christus her. Kniend und mit erhobenen Händen blickt die hl. Maria Magdalena hinauf zu dem Auferstandenen, den Lüpertz als strahlende Sonne darstellt. Bewusst setzt der Künstler die Leidensgeschichte Christi mit der der Machabäer in Zusammenhang und verbindet so die Geschichte aus dem Alten mit den beiden zentralen Personen des Neuen Testaments.

Die Fenster zeichnen sich durch die expressive Ausführung des Dargestellten aus. Die vielen Linien und Formen ergeben zusammen mit der prächtigen Farbgebung ein komplexes Bild.

Helenafenster, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2008

St. Andreas, Machabäerchor, Geißelung und Verstümmelung

Das Dargestellte thematisiert Schmerz und menschliches Leid.

Im unteren Abschnitt ist eine kauernde Gestalt zu sehen. Der Kopf ist nur mehr ein Schädel, der mit weit aufgerissenem Mund und Augen nach oben blickt. Der Gestalt wurde die Haut abgezogen. Sie hält die Hände betend vor dem Oberkörper und scheint nur noch in Lumpen gekleidet zu sein. Die Erniedrigung und Folter, die die Brüder erleiden mussten, wird in diesem Fenster sehr deutlich.

Daran anschließend ist in der oberen Zone Jesus an der Geißelsäule dargestellt. Mit der Gegenüberstellung des leidenden Christus und der leidenden Machabäer versinnbildlicht Lüpertz das menschliche Leid, das in der Kreuzigung Jesu ihren Höhepunkt findet und zugleich die Hoffnung symbolisiert. 

Kaum auszumachen ist die dritte Person, die sich rechts unter Christus befindet. In grüner Uniform gekleidet hebt ein Scherge seine linke Hand an seinen Helm, während er mit der anderen nach vorne greift.

 

Geißelung und Verstümmelung, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2008

St. Andreas, Machabäerchor, Kreuzigung und Folter

Die Qual und Folter des zweiten Fensters werden in diesem dritten Lüpertz-Fenster aufgegriffen und noch drastischer dargestellt.

Im unteren Abschnitt sind einzelne menschliche Gliedmaßen zu sehen. Füße, Hände und Arme liegen verstreut über- und nebeneinander. Darauf verteilt sieben Rosenblüten, die die Schnittwunden der sieben Brüder symbolisieren. Ganz oben im Fenster erstreckt sich der Gekreuzigte über die drei Bahnen. Gekrümmt und ans Kreuz genagelt hat er seinen Kopf so weit nach hinten geworfen, dass er nicht zu erkennen ist. Die Blutstropfen an den Wunden stechen wie die Rosenblüten auf dem hellen gelbgrünen Hintergrund deutlich hervor. 

Dieses Fenster ist, wie auch das zweite, dem Martyrium der Machabäer gewidmet. Markus Lüpertz bedient sich auch hier der Gegenüberstellung von Typus und Antitypus. Das Leid der Machabäer erhält seine Vollendung mit dem Tod des Gottessohnes.

Kreuzigung und Folter, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2008

St. Andreas, Machabäerchor, Maria u. Christus, Salomie und Söhne

Das vierte Fenster besticht durch die tiefrote Farbgebung. Es ist Maria gewidmet, der Himmelskönigin.

Sie schwebt im oberen Teil des Fensters mit dem Jesuskind im Arm. Der Knabe streckt seine rechte Hand noch oben und hält darin die goldene Weltkugel. In der Spitze der mittleren Bahn positionierte Lüpertz die Dreifaltigkeit.

Unten, auf die drei Bahnen verteilt, liegen die sieben Häupter der Machabäerbrüder und das Haupt der Mutter Salome. Auf einem der Häupter platzierte Lüpertz einen Davidstern und verweist damit auf den Holocaust und das Leiden der Juden im 20. Jh. 

Wohl bewusst stellt Lüpertz in diesem Fenster den Bezug zwischen Maria, der Muttergottes, und Salome her – zwei Mütter, die trotz der Folter ihrer Söhne nicht von ihrem Glauben abließen.

Maria mit Christus und Salome mit ihren Söhnen, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2008

St. Andreas, Machabäerchor, Kreuzabnahme und brennende Martyrer

Die Geschichte der Machabäer findet mit dem fünften Fenster ihr Ende.

Im unteren Abschnitt des Fensters sind die Köpfe der Märtyrer zu sehen, die in einem Kessel mit Öl qualvoll verbrennen. Unter den Köpfen brennt das Feuer, die Augen und Münder der Köpfe sind weit aufgerissen vor Schmerz. Das Verbrennen war Teil des Martyriums der sieben Brüder, das sie unter König Antiochos erleiden mussten. 

Über den Köpfen der Märtyrer ragt das Kreuz, auf dem Christus hängt. Sein lebloser Körper ist in sich zusammengesackt. Die Folgen der Folterung sind deutlich zu sehen: Seine Hände, Füße, sein Kopf und seine Brust sind mit Blut gedeckt. Auch seine Qual hat nun ein Ende gefunden. Der Schädel Adams am Fuße des Kreuzes steht für die Überwindung von Tod und Erbsünde und die Erlösung der Menschheit durch die Kreuzigung Christi.

Kreuzabnahme Christi und Tod der Machabäersöhne, Markus Lüpertz, Glas, Blei, 2008