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Westquerhaus | Rom als Vorbild

Die von Erzbischof Pilgrim anstelle des unscheinbaren Vorgängerbaus extra muros, also außerhalb der Römermauer gegründete spätottonische Stiftskirche St. Aposteln ist noch gut am heutigen Bau ablesbar.

Nach Vorbild des Alten Kölner Doms war die in den 1020er-Jahren gebaute Pilgrimskirche eine doppelchörige Anlage. Geweiht wurde das neue Gebäude wieder auf die Zwölf Apostel, der Hauptchor im Westen jedoch noch einmal gesondert auf den Apostelfürsten Paulus. Der östliche, weniger bedeutende Chor war - wie im Alten Dom - Maria zugeeignet. Das westliche Pauluspatrozinium ist gesichert durch die Paulusfigur am Außenbau des um 1160–1180 aufgeführten ehemaligen Chorturms.

St. Apostelns Vorbilder waren also der Alte Kölner Dom (welcher seinerseits mit dem auf Petrus geweihten Westchor sein Vorbild in der alten Papstkirche, Alt St. Peter in Rom hatte) sowie die von Kaiser Konstantin dem Großen in Rom über Paulus‘ Grab extra muros gestiftete Kirche St. Paul vor den Mauern? Es scheint, als habe Pilgrim das städtebauliche Werk seines Vorgängers Bruno, den Ausbau Kölns als ein „Rom des Nordens“, fortzusetzen beabsichtigt. 

Die sechsteiligen Gewölbe über vorgelegten Diensten samt zweizoniger, im Obergaden zweischaliger Wand stellen eine um 1220 vorgenommene, ihrerzeit hochmoderne spätromanische ‚Einkleidung‘ von Pilgrims Westquerhaus dar. 

Bis in die Barockzeit war der Westchor liturgischer Hauptort St. Apostelns. Erst im 17. Jh. verlegte man das liturgische Geschehen der Stiftsgeistlichen in den seit 400 Jahren bestehenden Dreikonchenchor im Osten der Kirche. Der Pauluschor wurde aufgegeben, der Altarraum zu einer Portalhalle umgestaltet und die romanische Krypta darunter verschüttet.

Kunstwerke

Der Schmerzensmann ist eine der überzeugendsten und besterhaltenen Arbeiten aus der Werkstatt des Kölner Meisters Tilman Heysacker gen. Krayndunck.

Das um 1500 aus einem einzelnen Stammstück Holz geschaffene und noch mit originaler Farbfassung erhaltene Bildwerk zeichnet sich durch besondere Feingliedrigkeit der Gestalt und seinen Detailrealismus – beispielsweise die naturalistisch hervortretenden Adern der Beine und Arme – aus. Der die vollplastisch geschnitzte Figur umfassende Purpurmantel zentriert die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf das in stiller Ergebenheit dargebotene Leiden des von Pontius Pilatus vor die Menge Geführten: Ecce homo – Siehe der Mensch! Der Appell eines solchen, aus den Frömmigkeitsbewegungen des 14. Jh. entsprungenen Bildwerkes ist auch heute noch klar: „Siehe, was Dieser für Dich gelitten!“

Die äußerst lebensnahe Wiedergabe der Person Jesu ermöglichte dem spätmittelalterlichen Betrachtenden eine zwar innerlich vollzogene, aber dennoch fast physische Annäherung an seinen Erlöser.

Ecce Homo (Schmerzensmann), Holz, farbig gefasst, um 1500

Die Figuren der Vierzehn Nothelfer (seit dem 13. Jh. in Zeiten der Not angerufene definierte Gruppe von Heiligen) sind von recht unterschiedlicher Gestalt.

Ihre gleichartigen barocken Standkonsolen belegen aber, dass die ursprünglich nicht im Zusammenhang geschaffenen Skulpturen im 18. Jh. bewusst zusammengeführt wurden. Zehn der Heiligengestalten sind selbst barockzeitlich und wurden möglicherweise eigens für die Nothelfergruppe geschaffen.

Vier der Figuren stammen aus dem Spätmittelalter. Es sind die hll. Margaretha und Katharina von Alexandrien – letztere eine aus einer Verkündigung der Zeit um 1520–1525 isolierte Maria – sowie die hl. Barbara. Letztere wurde nach dem Krieg als Ersatz für das zerstörte Original aus einer Muttergottes der Zeit um 1460–1480 kreiert, das Jesuskind dazu samt Mariens Hand abgetrennt! Und der Ritter Georg: Die äußerst markante Figur mit gekreuzter Beinstellung gleicht in mehreren Merkmalen Figuren des 1502–1514 geschaffenen Lettners von St. Pantaleon.

Eine reizvolle Vorstellung, dass der heilige Georg von der verlorengegangenen Ostseite des Lettners stammen könnte.

Gruppe der Vierzehn Nothelfer, Holz, farbig gefasst, 15.–18. Jh.

Hl. Paulus, Holz, weiß gefasst, Johann Joseph Imhoff, 1761

Die leicht überlebensgroßen Figuren stehen dem Betrachtenden in Sandalen und unter kräftiger Draperie verhüllt gegenüber.

Ihre charakteristischen Haupthaar- und Barttrachten sowie die Attribute Himmelsschlüssel und Schwert identifizieren sie als die Apostelfürsten Petrus und Paulus. Schöpfer der Figuren war der aus der Kölner Bildhauerfamilie („Bilderbäcker“) Imhoff stammende Johann Joseph Imhoff der Ältere (1739–1802). Johann Joseph Imhoff hatte auch bei der von Ferdinand Franz Wallraf um 1790 geleiteten Umgestaltung Groß St. Martins mitgewirkt. Die klassizistisch ganz in Weiß gefassten hölzernen Bildnisse schmückten ehemals den spätbarocken Hochalter in der Ostkonche.

Dieser nach 1761 geschaffene Altar wurde 1819 - St. Aposteln war seit der Säkularisation 1802 nur noch Pfarrkirche - aufgegeben. Die Peter und Paul-Figuren fanden weitere Verwendung für den unter Pfarrer Geistmann in der Vierung neuerrichteten Pfarraltar. Der wiederum wurde 1911 aufgegeben.

Hll. Petrus und Paulus, Holz, weiß gefasst, Johann Joseph Imhoff, 1761

Zwischen 1895 und 1912 wurde St. Aposteln im Stil des byzantinisierenden Historismus an Gewölben und Wänden mit goldgrundierten Mosaiken und Malereien ausgestaltet.

Die Entwürfe stammten vom Kölner Historienmaler Alexius Kleinertz und dem auch im Kölner Dom seinerzeit wirkenden Spätnazarener Friedrich Stummel. Die im Zweiten Weltkrieg beschädigten, aber nicht gänzlich zerstörten Ausgestaltungen wurden in den frühen 1950er Jahren zugunsten einer reinen Weißputzfassung des Innern abgetragen. Lediglich das anlässlich des Goldenen Priesterjubiläums von Pfarrer August Savels 1910 von der Apostelngemeinde gespendete Mosaik an der Nordseite des Westquerhaues blieb aus Respektsgründen erhalten.

Das Mosaikfeld zeigt Christus in antikisierender liturgischer Gewandung als den Guten Hirten (Pastor Bonus). Christus nähert sich in gebückter Haltung dem verlorenen Schaf des Gleichnisses und heißt es mit ausgebreiteten Armen willkommen.

Christus als guter Hirte, Mosaik, 1910