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St. Georg
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Langhaus & Chor
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Langhaus & Chor

Langhaus & Chor| Alleinstellungsmerkmal: Säulenbasilika

Der ursprüngliche Kirchenbau, der 1067 geweiht wurde, war eine flachgedeckte, dreischiffige Anlage mit einem Ost- und einem Westchor.

Heute sind die je acht Säulenreihen im Langhaus noch zu sehen, welche die beiden Seitenschiffe vom Mittelschiff trennen. Vermutlich aus römischen Bauten stammend, sind die Säulen von mächtigen Würfelkapitellen bekrönt. Das Querhaus hatte tonnengewölbte Arme und war außen dreiseitig geschlossen. Die Apsis des Ostchors besaß einen zweizonigen Wandaufbau mit je fünf Rundbögen, davon ist der mittlere im unteren Wandbereich noch erhalten.

Der Westchor war außen halbrund, innen jedoch als Rechteckraum mit großen Rundnischen gestaltet. Er besaß zwei Flankentürme. Mitte des 12. Jh. veränderte man das Langhaus. Dazu mussten je zwei massive Pfeiler gesetzt werden, um die nun entstehenden quadratischen Kreuzgratgewölbe aufzunehmen. Dabei wurde auch die ursprüngliche Fensterstellung im Mittelschiff verändert. In den Seitenschiffen wurde die Joch- und Fensterstellung belassen.

Kunstwerke

St. Georg war in den 1920er-Jahren baufällig geworden und es begannen umfangreiche Sicherungsarbeiten an der Kirche. Die künstlerische Neugestaltung des Innenraums legte den romanischen Bau frei, der gänzlich unverputzt blieb.

In diesem rauen Zustand der Kirche leuchteten und leuchten heute noch die farbigen Glasfenster, die der Niederländer Johan Thorn Prikker (1868–1932) entworfen hat. Eine regelrechte Lichtführung von West nach Ost kennzeichnet die Glasmalereien. Im Westchor dominieren braune und helle Töne, im Lang- und Querhaus Rot, Braun, Blau und Ocker, im Chor wiederum ein strahlendes helles Grün. Die Darstellungen im Lang- und Querhausfenstern sind auf wenige Symbole reduziert oder ganz ungegenständlich. Im nördlichen Seitenschiff finden sich Fische, die Zeichen Alpha und Omega, ein Phönix mit der Kreuzfahne sowie das Lamm Gottes mit den sieben Siegeln. Im südlichen Seitenschiff sind wiederum Fisch, die Marterwerkzeuge der Kreuzigung (Geißel, Lanze und drei Würfel), die Schriftzüge IHS und Sanctus sowie die Symbole des Abendmahls (Trauben, Kelch, Ähren und Brot) zusehen.

In den oberen Bereichen des Mittelschiffs und den Querhäusern bestehen die Fenster aus verschiedenfarbige Streifen, teils wiederum mit den Symbolen von Alpha und Omega versehen. Im Chor dominieren grüne Farbtöne die fünf ungegenständlichen Fenster, nur das mittlere Fenster zeigt ein in braunen Tönen gehaltenes Kreuz. Die Fenster des Langhauses und des Chors wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, jedoch beim Wiederaufbau von St. Georg anhand von originalen Entwürfen wiederhergestellt und bis 1965 eingebaut.

Glasmalerei, Johan Thorn Prikker, 1929/30

St. Georg Langhaus - Altarbild Bartholomäus Bruyn

Der Maler Bartholomäus Bruyn der Ältere (1493–1555) wurde am Niederrhein geboren und siedelte zu Beginn des 16 Jh. nach Köln über. Er war der herausragende Maler dieser Zeit und schuf zahlreiche Altarwerke für Kölner Kirchen, aber auch Porträts der damaligen sozial hochstehenden Schichten der Domstadt sowie der Geistlichkeit. Er war Mitglied des Kölner Rats und besaß zwei Häuser am heutigen Quatermarkt.

Auf der Mitteltafel des Altarwerks ist die Beweinung Christi dargestellt. Der verstorbene Christus wurde gerade vom Kreuz genommen, und seine Mutter Maria sowie treue Anhänger und Anhängerinnen Jesu betrauern seinen Tod. Auf der linken Bildtafel ist die Kreuztragung zu sehen: Christus trägt ein übergroßes Kreuz zur Hinrichtungsstätte. Die rechte Bildtafel zeigt seine Auferstehung. In den einzelnen Szenen bringen emotional bewegte Figuren Wut, Trauer oder Erschrecken zum Ausdruck, die sich durch eine dramatische Gestik und gezierte Bewegungen auszeichnen. Hier zeigt sich bereits der Manierismus der Renaissance.

Gestiftet wurde der Altar vom Propst des Stifts St. Georg, Johann Gebhard Graf von Mansfeld, der 1558 Kölner Erzbischof wurde. Bartholomäus d. Ä. starb 1556, und so geht man von einer Entstehungszeit des Bildes vor 1558, vielleicht schon unter Mitarbeit der Söhne Arndt und Bartholomäus d. J. aus.

Altarbild, Bartholomäus Bruyn d. Ä. und Werkstatt, Öl auf Holz, vor 1558

Links neben dem Altar findet sich an einem Pfeiler eine Marienfigur ohne Christuskind. Maria steht auf einer Wolkenbank, ihr linker Fuß tritt auf den Kopf einer Schlange als Verkörperung des Bösen.

Die Figur ist das Bild für die unbefleckte Empfängnis: Maria, als Mutter des Christus ist ganz ohne Sünde. Dieser Bildtypus der unbefleckten Empfängnis war seit dem Ende des 15. bis in das 18. Jh. verbreitet. 

In der linken Hand hält die Muttergottes ein Lilienszepter. Ihr weißes Gewand mit goldenen Säumen ist von üppigen, kleinteiligen Falten gekennzeichnet und bauscht sich teilweise hoch auf. Ihr Gesicht wirkt zart und mädchenhaft.

Madonnenfigur, Umkreis Gabriel de Grupello zug., Lindenholz, farbig gefasst, Anf. 18. Jh.

1921 wurde der Torso dieser Christusfigur in schlechtem Zustand in der Krypta von St. Georg gefunden und bereits ein Jahr später vom Museum Schnütgen erworben.

Er gehört zu einem Kruzifix aus dem 11. Jh., das sich ehemals im Chorraum befand. Heute hängt eine um Arme und Füße ergänzte Kopie des Christus im Altarbereich von St. Georg. Der Körper hat eine leicht gebogene Haltung, Arme und Oberkörper wirken natürlich und fast weich. Dazu stehen das geradlinige, durch parallele Falten charakterisierte Gewand und das ausdruckstarke Gesicht des Christus in auffälligem Kontrast. Das Gewand war ehemals blau gefasst und hatte eine gelb-rote Saumkante. Am Hinterkopf befindet sich eine Öffnung zur Aufnahme von Reliquien.

Obwohl schriftliche Überlieferungen zum Georgskreuz und stilistische Vergleiche fehlen, geht man von einer Produktion des Stücks in Köln und einer Entstehungszeit etwa zur Zeit der Weihe der Kirche 1067 aus.

Kruzifix, ergänzte Kopie des Originals aus Weidenholz (nur Torso), heute Museum Schnütgen, um 1067

St. Georg, Chor, Epitaph für Wilhelm Wichius von Rees

Wilhelm Wichius von Rees (1475–1545), von 1517 bis 1545 Dekan des Stifts St. Georg, der Leiter der Gemeinschaft, wird mehrere Male mit der Ausstattung der Kirche in Verbindung gebracht.

Hier handelt es sich um ein Epitaph, also ein Erinnerungsmal für den verstorbenen Dekan. In Rees am Niederrhein geboren, studierter Jurist und Dozent der juristischen Fakultät der Universität in Köln wurde er Kanoniker an St. Georg. Dass er sich nicht mit dem Propst von St. Georg, Johann Spies von Büllesheim, verstand, wird bei einem Kölner Chronisten des 16. Jh. eindrucksvoll überliefert und führte sogar dazu, dass er sich nicht in St. Georg begraben lassen wollte.

Das Epitaph zeigt die Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes sowie dem hl. Georg rechts, der den knieenden Dekan Christus empfiehlt. Im Hintergrund erheben sich Bauten und eine Landschaft. Das Epitaph für Wilhelm Wichius ist eines der wenigen erhaltenen farbigen Denkmäler der Renaissance in Kölner Kirchen. 

Epitaph für Wilhelm Wichius von Rees, Sandstein, 1545

St. Georg, Chor, Sakramentshaus

Für dieses Sakramentshaus, üblicherweise seit dem Hochmittelalter als Wandtabernakel oder selbständige Kleinarchitekturen zur Aufbewahrung der geweihten Hostien gestaltet, hatte der Dekan Wilhelm Wichius Gelder gestiftet. 1556 wurde dieses Sakramentshaus von dem damaligen Propst und späteren Erzbischof Anton von Schaumburg geweiht.

Über dem Sockelfuß mit Szenen des Sündenfalls im Paradies, dem Opfer des Melchisedek und der Mannalese durch die Israeliten auf ihrem Weg durch die Wüste erhebt sich ein zweigeschossiger Aufbau mit reich ornamentierten Renaissanceformen. Darüber befindet sich der eigentliche Tabernakel mit Gittertür und ein Relief mit der Darstellung des letzten Abendmahls. Flankiert wird das Gitter von den Figuren der hll. Anno und Georg links sowie rechts Petrus und Caesarius.

Das Sakramentshaus wird oben durch ein fragmentarisches Bild einer Auferstehung abgeschlossen.

Sakramentshaus, Tuffstein, 1556