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St. Gereon
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Chor
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Chor

Chor | Ein Traum als Anlass zur Kirchenerweiterung

Der konstantinische Bau des 4. Jhs. blieb rund 700 Jahre nahezu unverändert, bevor der Stiftschor mit Krypta und zwei Flankentürmen durch den Kölner Erzbischof Anno II. um 1056-1069 initiiert und geweiht wurde. Der Legende nach waren ihm die thebäischen Märtyrer im Traum erschienen und hatten ihn geschlagen, weil er sich nicht ausreichend um die Verehrung der heiligen Märtyrer in St. Gereon gekümmert habe. 

Erzbischof Arnold von Wied (Amtszeit 1151–1156) erweiterte den Langchor erneut knapp 100 Jahre später um die Ostapsis und die beiden Chortürme mit den markanten Pultdächern, um der Kirche St. Gereon eine repräsentative Fassade zur Stadt hin zu geben. In der zweiten Hälfte des 14. Jh. erhielt der Langchor die großen gotischen Maßwerkfenster und das gotische Kreuzrippengewölbe. 

Kunstwerke

Die Apsis, der halbkreisförmige Abschluss des Chores, wurde Ende des 12. Jh. der Zeit entsprechend mit einer Darstellung von Christus in einem mandelförmigen Heiligenschein, einem sog. Christus in der Mandorla, ausgemalt.

Die Malerei wurde in verschiedenen Zeiten übertüncht, freigelegt, im 19 Jh. ergänzt und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der Ursprungsbestand wieder freigelegt. Im Zentrum der Apsis ist Christus zwischen den Hll. Maria und Johannes dargestellt. In jeder Nische der beiden Wandgeschosse ist jeweils eine große stehende Gestalt dargestellt: oben der hl. Gereon und drei Gefährten aus der Thebäischen Legion, die jeweils auf einem Heiden stehen und damit den Sieg des Christentums veranschaulichen, und unten heilige Bischöfe, die das Schwert gegen die vor ihnen am Boden liegende Figuren erheben. 

Auf der südlichen Wand des Hochchores sind noch einige Reste der ursprünglichen Chorausmalung im Bereich der Tür zur oberen Sakristei zusammengefasst.

Freskomalerei, Ende des 12. Jh.

Im Chor befinden sich ebenfalls Bilder von ehemaligen Altären, von denen das große Gemälde des Sebastianusaltars das bedeutendste ist und 1635 von Johann Hulsmann und Johann Toussyn gemalt wurde.

Es zeigt die Anbetung der Dreifaltigkeit durch die in der Stadt Köln besonders verehrten Heiligen. Ganz unten wird das „Irdische“ gezeigt, die Stadt mit dem Rhein, das einzige Stadtpanorama in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In der nächsthöheren Ebene sind links der hl. Sebastian und rechts die hl. Helena mit dem Kreuz zu sehen, dazwischen die Kölner Bischöfe Severin, Kunibert und Anno, jeweils an den zugehörigen Kirchenmodellen erkennbar.

Eine Ebene höher sind links, Gereon, Gregorus Maurus, weitere Thebäer und Bischöfe dargestellt, und rechts gegenüber die hl. Ursula mit ihren Gefährtinnen. In der Bildmitte gewähren uns die Maler einen Blick in den in übernatürlichem weiß strahlenden und geöffneten Himmel, wo schemenhaft Gestalten mit einem Märtyrerpalmenblatt erkennbar werden, die uns bereits symbolisch in ihrer Heiligkeit vorausgegangen sind. In der oberen Bildebene sieht man Gottvater, Sohn und Heiligen Geist, links leicht unterhalb die Gottesmutter Maria und rechts die Heiligen Drei Könige. 

Sebastianusaltar, Altarblatt von Johann Hulsmann (zug.) und Johann Toussyn, Öl auf Leinwand, 1635

Das große zentrale Kreuz mit dem Korpus schuf Jeremias Geisselbrunn um 1660, ebenso wie die Statue der hl. Helena, die der einzige Rest eines Altares aus der Barockzeit ist.

Das große Kreuz gibt seit 2019 dem Hochchor wieder eine räumliche Mitte, nachdem man es um 1870 dort entfernt hatte und in die obere Sakristei verbracht hatte. Die starke Ausdruckskraft des Korpus und das hohe Niveau der künstlerischen Ausführung dürfte das Kreuz wohl vor der Vernichtung bewahrt haben. Der Gekreuzigte hebt seinen Blick, er ist dem Betrachter zugewandt, der Körper wirkt kräftig, ist aufgerichtet, die Muskeln sind angespannt, Spuren des Leides und der Hingabe in sein Schicksal sind nicht zu erkennen. Markant sind die Rippen, die Körperspannung lässt die Bauchmuskeln gut erkennen, unterstützt durch die feine Äderung des Alabasters. Der Lendenschurz ist in viele kleine Falten gelegt, der Körper leicht angewinkelt und das rechte Bein liegt etwas über dem linken. Üppige Locken fallen unter der Dornenkrone bis auf die Schultern. Detailreich und realistisch ist der Körper, anmutig und athletisch zieht er die Blicke des Betrachters auf sich als den Mittelpunkt im Chor. 

Kruzifix, Jeremias Geisselbrunn, Alabaster, 1660

Zu den im Norden der Sakristei in den Nischen stehenden Custodien gehört auch letztendlich der in den letzten Jahren wiederhergestellte und um 1520 entstandene Reliquienschrank im Chor mit der Tafelmalerei auf den geöffneten Türen.

Die Festtagseite (geöffnet) zeigt links den hl. Gereon und rechts die hl. Helena. Die Brandspuren aus dem Zweiten Weltkrieg wurden bei der Restauration mit konserviert. In dem Schrank sind zwei mittelalterliche Büsten und sechs Büsten aus dem 17. Jh. ausgestellt, unter ihnen die sehr qualitätvollen barocken Büsten von Gereon und Gregorus Maurus. Sie tragen römische Helme mit Kamm und mit reichem Faltenwurf sind die Tuniken der thebäischen Legionäre angedeutet.

Im Sockel der Büsten werden deren Schädel aufbewahrt, verhüllt in rotem Samt mit goldener Stickerei. Fünf weitere männliche Büsten, darunter ein Bischof und wiederum auch eine Büste einer Jungfrau mit dem typischen Kölner Lächeln. 

Reliquienschrank mit mittelalterlichen u. frühneuzeitlichen Büsten, 1520