Zum Inhalt springen
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
Dekagon
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
St. Gereon
Dekagon

Dekagon | Gründungsbau der Spätantike

Der Ursprungsbau des heutigen Dekagons stammt aus dem 4. Jh. Mitten auf einem römischen Gräberfeld vor den Toren Kölns entstand ein ovaler Monumentalbau mit Kuppel, der vermutlich als Memorialbau oder Mausoleum genutzt wurde. Aus der Zeit um etwa 350–365 stammen noch die weitgehend original erhaltenen Konchen, je vier auf der Nord- und Südseite des heutigen Dekagons, gerahmt von einem Narthex  und Atrium im Westen und einem gerundeten Chor im Osten. 

Gregor von Tours, einer der ersten Chronisten, erwähnt um 590 den Bau in Köln als eine Kirche mit bedeutendem Märtyrerkult und dem Namen „ad sanctos aureos“ - zu den goldenen Heiligen, was sich auf die kostbare Innenausstattung mit gold glänzenden Mosaiken in der Kuppel bezieht. Die Legende von Gereon und Gregorus Maurus als Anführer der thebäischen Legion entwickelte sich ab dem 7. Jh., als die Kirche bereits Begräbnisstätte der fränkischen Könige war.  Im 10. Jh. baute eine in Köln entstandene Schrift, die sog. „Passio sanctorum Gereonis“, die Überlieferung der Thebäer massiv aus, in deren Folge der hl. Gereon zum Kölner Stadtpatron wurde (parallel zur Geschichte der hl. Ursula). Beide Kirchen wurden 1920 zur „Basilica minor“ ernannt. 

Auf der Nordseite des Dekagons sind an zwei Stellen außen die römischen Ziegel des Ursprungsbaus sichtbar, und es ist ein Motiv der Sonne zu erkennen. Auf der Südseite sieht man innen Reste des ursprünglichen Mosaikfußbodens und Reste vermauerter Fenster.

Architektonischer Höhepunkt im 13. Jahrhundert

1219–1227 wurde dieser Ursprungsbau zum Dekagon ausgebaut. Warum man diese Form wählte, wissen wir nicht. Die unbekannten Baumeister setzten Winkel zwischen die Nischen der maroden römischen Mauern. Diese tragen die Strebefeiler und Strebebögen. Die Konchen wurden überbaut, wodurch mit den Emporen zusätzlicher Raum erwuchs.

Die himmelwärts strebende Gotik - Kenntnisse aus dem französischen Kathedralbau müssen vorhanden gewesen sein - ist deutlich erkennbar. So entstand der 34 m hohe Kuppelbau, der bis heute einzigartig und der größte Kuppelbau (19 x 23 Meter) nach der Hagia Sophia und vor dem Dom von Florenz ist.

Die Rippen des Gewölbes treffen sich am zentralen Mittelpunkt oberhalb des hängenden Schlussteins, der in der Gestalt eines Granatapfels als Symbol für die Auferstehung ausgeführt ist. Dieser Schlussstein ist aus Holz gefertigt. Die rote Farbe der Kuppel und die goldenen Flammen symbolisieren das Pfingstereignis.

Kunstwerke

Wenn wir aus dem Dekagon in Richtung Vorhalle schauen, dann befindet sich auf der rechten Seite eine hohe schmale Wandnische mit einem Säulenstumpf darin.

Oberhalb der zerborstenen Säule befindet sich eine lateinische Inschrift. Übersetzt steht in fünf Zeilen: „Glaube, vor Zeiten wurde hier vergossen dieses Blut“ und „Wenn ich (=man) an den Stein sündig herantrete, straft er dafür.“ Angeblich soll der Frankenkönig Theudebert hier gestorben sein, nachdem er seinen Bruder hat umbringen lassen. Ob es sich auch tatsächlich um eine Säule gehandelt hat, über die das Blut von Gereon und anderer Thebäer geronnen ist, lässt sich nicht klar herleiten. Wir können jedoch feststellen, dass diese Granitsäule von den Menschen des Mittelalters verehrt wurde. 1794 haben die Franzosen den Schaft in Richtung Paris abtransportiert und nur die Basis zurückgelassen. Die Säule ging dabei zu Bruch, wurde als Grenzstein verwendet und kehrte erst 1925 wieder nach St. Gereon zurück.

Sog. „Blutsäule“, Granit, 4. Jh.

Bei der Neuverglasung des Dekagons nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zwei herausragende Glasmalereikünstler zum Zuge: Georg Meistermann (1911–1990) in den oberen beiden Zonen und Wilhelm Buschulte (1923–2013) in den unteren beiden Zonen. Das theologische Konzept erarbeitete Wilhelm Nyssen ab 1979.

In der unteren Zone, der Zone des Martyriums, ist die Fensterstellung unterschiedlich und die Gestaltung von Buschulte in farblosen geometrischem Mustern gehalten. Im Galeriegeschoss darüber, der Zone der Heiligen, hat Buschulte kräftige Farbtöne für Gestaltung der Heiligen Josef, Albertus Magnus, Heribert von Köln und Petrus Canisius auf der Nordseite sowie Maria, Ursula, Hildegard von Bingen und Adelheid von Vilich auf der Südseite gewählt (jeweils von Osten nach Westen). 

Eine wahre Farbexplosion sind die Fenster in den beiden darüberliegenden Geschossen. In der Zone der himmlischen Wesen mit den Rosettenfenstern sieht man die Symbole der vier Evangelisten (in den vorderen vier) und die apokalyptischen Reiter (in den hinteren vier) aus der geheimen Offenbarung des Johannes.

Die obere Zone der gotischen Lanzettfenster ist den Propheten und Aposteln gewidmet. Rechts und links des Chorbogens befinden sich stellvertretend vier Propheten: Amos, Ezechiel (Nord), Jesaja und Sophonias (Süd) und die zwölf Apostel. Vielleicht erkennen Sie ja auf der Nordseite Paulus, der in diesem Zyklus der zwölfte ist, an seinem Attribut, einem pinkfarbenen Schwert.

Der Auftrag für die Fenster in Dekagon und im Chor von St. Gereon bildete den Abschluss des großen Lebenswerks von Meistermann.

Glasmalereien, Wilhelm Buschulte und Georg Meistermann, 1982–1985