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St. Kunibert
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Querhaus & Chor
St. Kunibert
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St. Kunibert
Querhaus & Chor

Querhaus & Chor | Orientiert an großen Vorbildern

Auch im Inneren des Chores dominiert der zweigeschossige Wandaufbau den Raum. Die Apsis wird durch fünfteilige Arkaden auf dreiteiligen Bündelpfeilern mit dahinterliegenden Laufgängen im oberen Bereich gegliedert. Im oberen Geschoss finden sich große, unten in den flachen Muldennische kleinere Rundbogenfenster. In den Querhäusern wird der zweigeschossige Aufriss der Apsis fortgesetzt: gemuldete Wandnischen und tiefe Fensteröffnungen im Untergeschoss, ein Laufgang hinter hohen Bögen auf Pfeilern mit Säulen im oberen Geschoss. In der Höhe finden sich ebenfalls Rippengewölbe, hier fünfteilig. Dadurch, dass die Querarme nicht als Konchen ausgebildet sind, wähnen sich die Besucher in einer großen Chorhalle. Als Vorbild dienten den Baumeistern die in der 2. Hälfte des 12. Jh. entstandenen Westchorhallen an Rhein und Maas, z. B. in St. Victor in Xanten.

Der Außenbau des Chores und damit die Schauseite der Kirche zum Rhein hin steht in der Tradition der rheinischen Etagenchöre wie St. Cassius und Florentius in Bonn (sog. Bonner Münster), St. Gereon, Groß St. Martin und St. Aposteln in Köln. Rundbogenblenden auf flachen Lisenen gliedern das Untergeschoss, darüber rahmen Bogenblenden auf Vollsäulen die Fenster. Die Apsis wird von einer Zwerggalerie mit paarweise angeordneten Arkaden bekrönt. Über den Querarmen erheben sich zwei Flankentürme.

Kunstwerke

Ein Zyklus von acht farbigen Glasfenstern aus spätromanischer Zeit in der Ostpartie von St. Kunibert gilt als das bedeutendste Zeugnis der Glasmalerei in seiner Zeit und auch als der älteste an Ort und Stelle („in situ“) erhaltene.

Entstanden ist der Zyklus parallel zum Baubeginn 1215 in einer Kölner Werkstatt und war wohl zur Weihe und Fertigstellung des Chores 1226 eingesetzt. Im mittleren Fenster des Obergeschosses wird die Wurzel Jesse, der Stammbaum Jesu dargestellt, flankiert von Fenstern mit der Lebensgeschichte der beiden Kirchenpatrone, rechts davon des hl. Kunibert, links davon des hl. Clemens. Im Untergeschoss des Chores und in den Querhausfenstern sind die hll. Ursula, Cordula, Katharina, Cäcilia und Johannes der Täufer dargestellt. 2006 wurden die kleineren Fenster des Untergeschosses restauriert, seit 2018 werden die drei großen Obergadenfenster fachgerecht bearbeitet. Diese Arbeiten werden bis Ende der 2020er-Jahre dauern.

Glasmalerei, Köln, 1220–1230 

Ewaldischrein und Kunibertschrein stehen links und rechts des Hochaltars. Neben dem hl. Kunibert wurden ebenfalls die hll. Ewalde, zwei angelsächsische Märtyrer des 7. Jh., und ihre Reliquien sehr verehrt.

In der Säkularisation wurden die mittelalterlichen Edelmetallschreine zerstört und gingen bis auf wenige Bruchstücke verloren, so dass im 19. Jh. neue Schreine angefertigt wurden. Die Holzladen im Innern mit den Reliquien der Heiligen und den zugehörigen Textilien hatten sich erhalten (vgl. Bedeutender Stiftsbesitz zum Staunen). 1879 schufen Wilhelm Mengelberg und Gabriel Hermeling einen neuen Ewaldischrein aus Metall. In die Bögen der gotischen Architektur stellten die Goldschmiede Weggefährten beider heiligen Ewalde, die auf einer der Stirnseiten dargestellt sind. Auf der Rückseite sind Papst Clemens und die hl. Ursula abgebildet.

In der Dachzone wird die Lebensgeschichte der beiden Heiligen in Bildern erzählt. Der neue Kunibertschrein aus dem Jahr 1869 ist von Bildhauer #Meinen nach Entwürfen des Malers Alexius Kleinertz und des Baumeisters Heinrich Nagelschmidt geschaffen und umschließt ebenfalls den ursprünglichen Holzkern. 

St. Kunibert, Reliquienschrank im Chor

Die heute in der Schatzkammer im Westbau von St. Kunibert verwahrten Reliquiare und Reliquien (Antoniusbartreliquiar, Amreliqiuare der hll. Nikolaus und Georg, Partikel vom Hl. Kreuz), die Diakon Theoderich 1222 dem Stift schenkte, wurden zunächst in einem Reliquienschrank in der nördlichen Chornische aufbewahrt.

Der Schrank wird durch eine vergitterte, vergoldete Doppeltür geschlossen. Hinter den vergitterten Türen wird in der Nische eine Wandmalerei mit einer Kreuzigungsgruppe sichtbar, die bauzeitlich ist, d.h. vermutlich bereits 1210–1220 während des Chorbaus entstand. Der Gekreuzigte ist im Dreinageltypus dargestellt. Unter dem Kreuz stehen Maria und Johannes sowie Personifizierungen von Synagoge und Ecclesia.

Über dem Reliquienschrank schließen sich in der hohen, oben spitzbogig gerahmten Flachnische weitere Malereien an, so der hl. Antonius als Einsiedler sowie der hl. Nikolaus von Myra, beide jeweils mit Personen aus ihrer Vita. Das Bild im Spitzbogen zeigt zwei Engel zu Seiten eines Patriarchalkreuzes.

Die Malereien nehmen somit Bezug auf die ehemals im Schrank verwahrten Reliquien und können unmittelbar mit der Schenkung des Theoderich um 1222 in Verbindung gebracht werden.

Gegenüber, in der Südnische des Chorvorjochs, befindet sich ein Sakramentshaus aus dem 15. Jh. Plastische und gemalte Architekturelemente der Gotik bilden den Rahmen für das Sakramentshaus und die Bildmotive. Im Sockel, zum Teil aus einem ehemaligen Altar stammend, sind in kleinen Nischen musizierende Engel mit ihren Instrumenten wie u. a. Triangel, Dudelsack, Zimbel oder Pauke zu sehen. Die Tabernakeltür zeigt eine vermutlich im 16. Jh. restaurierte Kreuzigungsszene. Neben dem Kreuz stehen Maria und Johannes. Auf den mit Maßwerk versehenen Seitenflächen sind Stifter, Heilige und Weihrauchfässer schwenkende Engel dargestellt. Im Spitzbogen erscheint der auferstandene Christus den Jüngern.

Reliquienschrank und Wandmalereien, nördliche Nische des Chorvorjochs, 1210–1220

Sakramentshaus, südliche Nische des Chorvorjochs, 15. Jh., Tabernakeltür 16. Jh.

Am alt angestammten Platz in der Chorapsis hinter dem Hochaltar befindet sich wieder der Flügelaltar (Triptychon) mit der Kreuzigung Christi im Zentrum.

Auf den Flügeln sind links die Verklärung und rechts die Auferstehung thematisiert. Auf den Außenseiten sind unter anderem die hll. Ewalde abgebildet. Das Triptychon wird dem sog. Meister der Georgslegende zugeschrieben. „Meister der Georgslegende“ bezeichnet einen unbekannten Maler, der diesen Notnamen nach seinem Hauptwerk erhielt. Seine Werkstatt gehörte zu einer der einflussreichsten des damaligen Kölns.

Der Flügelaltar war im 19. Jh. in die Sammlung Lyversberg in Bonn gelangt und lange Jahre bei den dortigen Jesuiten in Besitz. Es wurde 1998 dem Erzbistum überlassen und ist seitdem wieder in St. Kunibert zu sehen. Nach routinemäßiger Überprüfung wurde die Malerei des Altarbilds 2020/21 aufwändig restauriert. 

Flügelaltar (Triptychon) mit Kreuzigung Christi, Öl auf Holz, 1470–1480

Im Chorraum ist seit 1955 eine von Elmar Hillebrand gestaltete Bodenplatte eingelassen, die auf den darunter liegenden „Kunibertspütz", einen Brunnen verweist.

Die Platte zeigt das Motiv spielender, engelsgleicher Kinder, die um das in Windeln gewickelte Jesuskind tanzen. Bis ins 19. Jh. hielt sich der Brauch, dass Frauen mit nicht erfülltem Kinderwunsch Wasser aus diesem Brunnen tranken. 

Der einer Krypta ähnliche Raum unter dem Chor ist vermutlich älter ist als der erste Kirchenbau an dieser Stelle. Das Tuffgewölbe dieses runden Raums wird von nur einer Mittelsäule getragen.

Mit dem Kunibertspütz verbindet sich noch eine weitere Legende: Er soll die Stelle bezeichnen, an der die beiden hll. Ewalde nach ihrem Tod vom Rhein aus an Land gespült wurden.

Kinderbornplatte, Schiefer, Elmar Hillebrand, 1955

St. Kunibert, Chor, Taufkapelle

Erst zu Beginn des 19. wurde in der an der Südseite des südlichen Querarms liegenden Nische mit Rippengewölbe ein Taufbecken aufgestellt, das ursprünglich um 1260 entstanden ist. Vermutlich wurde hier ehemals eine Hl.-Kreuz-Reliquie verwahrt. 

Die Wandmalereien der Kapelle sind von hoher Qualität und dem sog. „Zackenstil“ zuzuordnen, der sich besonders an den scharfkantigen, zick-zackförmigen Gewandfalten und Konturen zeigt. In der Nische ist eine Kreuzigungsszene zu sehen. Der sehr schmal und fragil wirkende Körper des verstorbenen Christus hängt noch am Kreuz. Maria links und Johannes rechts stehen als Trauernde darunter, ihre feinen Gesichter sind ganz von Schmerz erfüllt. Maria wischt sich mit einem Zipfel ihres Gewands eine Träne von der Wange. Sowohl die Gewänder von Maria und Johannes als auch das Lendentuch Christi haben die für den Zackenstil typischen scharfkantigen Falten. Die weiteren erhaltenen Wandmalereifragmente der Kapelle sind wahrscheinlich zeitgleich entstanden.

Taufkapelle mit Taufstein, um 1260 und Wandmalereien, 1260–1270