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St. Severin
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Hochchor
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Hochchor

Hochchor | Gotik im Kommen

Der heutige Hochchor von St. Severin ist zu Beginn des 13. Jh. entstanden. Ein Vorgängerchor aus dem 11. Jh. wurde niedergelegt, nach Osten in spätromanischen Formen erweitert und zwei Chorflankentürme angefügt, so dass die Kirche zusammen mit dem großen Westturm eine Dreiturmsilhouette auszeichnet.

Der Chorabschluss im Osten ist außen eckig, im Innern halbrund als sog. Kölner Etagenchor gestaltet. Ein Gesims trennt zwei Geschosse; im oberen ist die Wand zweischalig ausgeführt, d. h. mit einem Laufgang und vorangestellten Säulenbündeln versehen. Das untere Geschoss wird durch Nischen und Wandvorlagen gegliedert. Die großen Fenster und an verschiedenen Stellen auftauchende Spitzbögen deuten bereits auf den kommenden gotischen Baustil hin, was auch das Datum der Chorvollendung 1237 verdeutlicht – der Chor entstand elf Jahre vor Baubeginn (1248) der gotischen Kathedrale in Köln schlechthin: der Kölner Dom.

Kunstwerke

Der 20teilige Leinwandzyklus von kurz vor 1500 zeigt Szenen aus der Legende des hl. Severin von Köln.

Ein Teil dieser Vita berichtet, Bischof Severin sei in Bordeaux verstorben und die Menschen dort hätten den Leichnam nur auf Drängen der Kölner zurück ins Rheinland geben wollen. Das vorletzte Bild des Bilderzyklus‘ zeigt die Überführung Severins im mittelalterlichen Schrein nach Köln – im Hintergrund ist die bis auf die Turmobergeschosse vollendete Severinkirche zu sehen. Das letzte Bild veranschaulicht die Verehrung Severins im heutigen Hochchor der Kirche.

Severinuszyklus, Holz, Leinwand, 1498–1500

Auch wenn die Entstehungszeit des Chorgestühls nicht eindeutig geklärt werden kann - an den Maserungen des Holzes haben sich durch sog. Dendrodatierung recht unterschiedliche Fällzeiten der verwendeten Eichenstämme feststellen lassen – so kann es doch als eines der ältesten in situ, also am ursprünglichen Ort befindlichen Gestühle des Rheinlands und als das älteste Kölns bezeichnet werden.

Eine 1978 vorgenommene Dendrodatierung ergab ein bislang jüngstes Fälldatum für das Jahr „1234 oder etwas später“. Damit darf als sicher angenommen werden, dass das Severiner Gestühl anlässlich des spätromanischen Choranbaus in Auftrag gegeben wurde und wohl bei dessen feierlichen Weihe 1237 erstmalig benutzt wurde.

Das Chorgestühl bietet insgesamt 62 Stallen, also Plätze für das Chorgebet. Die Bezeichnung Stalle kommt vom Wortstamm ste-/sta- wie „stehen“ oder “Stall“. Die Chorgebete wurden meist im Stehen vorgenommen. Das reich mit Tierfiguren wie Hund, Affe, Taube, Eichhörnchen sowie mit Knäufen in Kopfgestalt und Laubwerkornament versehene liturgische Möbel wurde 1838–1840 vom Kölner Dombildhauer Christoph Stephan repariert und ergänzt. 

Chorgestühl, Eiche, Anf. des 13. Jh.

Geistiges und materielles Zentrum des uralten Kirchenstandorts ist heute der hinter dem Altar aufgestellte Severinusschrein. Die im Edelmetallschrein befindliche und mit spätantiker, gelb-blaugefärbter Seide mit Löwenmotiven ausgeschlagene Holzlade von 948 birgt die verehrten Reliquien.

Der umgebende, mit vergoldetem Kupferblech beschlagene Schrein wurde als ein sehr frühes Werk der Neugotik bereits 1819 nach Entwürfen des Malers Johann Kaspar Benedikt Beckenkamp gefertigt. Er ist Ersatz für den 1795 aus Anlass der Kontributionsleistungen, welche die besetzten Rheinlande an die Französische Republik zu zahlen hatten, eingeschmolzenen Edelmetallschrein des 10. und 11. Jh. Wiederum original mittelalterlich ist das geschreinerte und geschmiedete Gittergehäuse des Schreins. Das zum Unterschreiten einladende spätromanische Schreinpodest ist bauzeitlich.

Severinusschrein, Kupfer vergoldet, Sigismund August und Johann Kaspar Benedikt Beckenkamp, 1819

In der Mittelnische des Chores befinden sich über der Altarmensa zwei mittelgroße Tafelgemälde, auf denen vier Heilige dargestellt sind. Es handelt sich um die ehemaligen Flügel eines Triptychons, dessen Mitteltafel nicht mehr existiert.

Die eine Tafel zeigt links die hl. Agatha und den hl. Cornelius in päpstlichem Ornat. Cornelius ist einer der Mitpatrone St. Severins. Sein Attribut ist das Horn (dem Namen nach von lateinisch cornu, das Horn abgeleitet). Auf der anderen Tafel sind der hl. Stephanus und die hl. Helena mit dem von ihr aufgefundenen Kreuz Christi dargestellt. Die Heiligen stehen vor Brokatvorhängen, hinter denen man in eine spätgotische Architektur blickt.

Der namentlich nicht bekannte Maler, dem man eine Reihe weiterer Gemälde zugeschreiben kann, wird nach diesen beiden Tafelbildern als Meister von St. Severin bezeichnet. Er war einer der letzten Vertreter der Kölner spätmittelalterlichen Malerei, die bis etwa 1520 an den lokalen gotischen Traditionen festhielten.

Tafelbilder, Eiche, um 1500

Stifter des gotischen Schatzschrankes von 1383 in der nördlichen Chorhauptwand war laut Inschrift der seit 1364 an St. Severin tätige Verwalter des Kirchenschatzes, Jacob Bourscheidt.

Gerahmt wird die „arca reliquiarum“ (dem Sinn nach „Wandnischengrab“) von einer vorzüglichen Steinmetzarbeit in Art eines doppelbogigen Portals. Zwischen den wimpergberkönten Blendbögen erscheint die kleine Konsolfigur eines hockenden Mannes, vielleicht ein Werk des aus dem Umfeld der Kölner Dombauhütte stammenden Steinbildhauers.

Im Thesaurarium befinden sich die neben dem Severinusschrein wichtigsten rituellen Schatzstücke der Kirche, so das Corneliushorn und der legendäre Stab des hl. Severin. Der Torso eines rund 1.000 Jahre alten Vortragekreuzes ist mit einer Partikel des Wahren Kreuzes Christi unter Bergkristall im Zentrum und seitlich anhängenden, aus islamischem und byzantinischem Raum stammenden Bergkristallampullen des 9. oder 10. Jh. versehen. Einmal in der Woche ziehen die Gläubigen in der „Severinusmesse“ an diesen Reliquien vorüber.

Wandschrank, 1383