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St. Ursula
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Chor
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Chor

Chor | Wie ein gläserner Schrein

Der Chor von St. Ursula wurde um 1260/1270 erbaut. Er ist eine hohe, helle Chorhalle mit Kreuzrippengewölben, stark reduzierten Wandflächen, elf hohen schmalen Fenstern und Maßwerkverzierungen in den Fenstern – typische Merkmale für die Gotik.

Der Chor von St. Ursula entstand parallel zum Bau des Kölner Doms seit 1248. Unterhalb der Fenster sind zahlreiche Schädelreliquien in Wandnischen eingelassen, die man hinter goldfarbenen Rastergittern erkennen kann. Die Schädel sind in roten, kunstvoll bestickten Textilien eingehüllt. In der Sockelzone des Langchores sind auf einer umlaufenden Steinbank weitere Schädelreliquien, darunter das Haupt der hl. Ursula, präsentiert. Vergleichbar der Sainte-Chapelle in Paris, die einst die Dornenkrone Christi beherbergte, befindet man sich als Besucher im Chor von St. Ursula wie in einem in Architektur umgewandelten gläsernen Reliquienschrein.

Kunstwerke

Ein Hinweis auf die Vorgeschichte von St. Ursula gibt die sog. Clematius-Inschrift, eine Steintafel, die auf der Südseite des Chores in der Wand vermauert ist. Diese berichtet von einem römischen Senator, der gelobte, die Kirche der Jungfrauen zu erneuern. Die Datierung dieser Tafel wird nach jüngsten Forschungen in das 4. Jh. angesetzt. Vielleicht berichtet die Tafel von der ersten Kirche an diesem Ort. 

Clematius-Inschrift, 4. Jh.

Der Text der Inschrift

„Durch göttliche Flammenvisionen häufig ermahnt und durch die sehr große Kraft der Majestät des Martyriums der himmlischen Jungfrauen, die erschienen, aus der östlichen Reichshälfte herbeigeholt, (hat), nach Gelübde, Clematius, im Senatorenrang, auf eigene Kosten, auf seinem Boden, diese Basilika, wie es nach seinem Gelübde schuldete, von den Fundamenten erneuert. Wenn jemand aber unter der so großen Majestät dieser Basilika, wo die heiligen Jungfrauen für den Namen Christi ihr Blut vergossen haben, irgend jemandes Leichnam bestattet, mit Ausnahme der Jungfrauen, so wisse er, dass er mit ewigen Höllenfeuern bestraft wird.”

Der große Ursulazyklus, der sich im Chor befindet, zeigt in 30 Szenen auf 19 Tafeln detailreich die Legende der hl. Ursula, von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod durch den Pfeil des Hunnenkönigs.

Der Bilderzyklus wurde von Angehörigen der Pfarrei, den Brüdern Scheyven gestiftet, wie die Inschrift auf der letzten Tafel verrät. 

Als Tochter des britannischen Königs Maurus und seiner Ehefrau Daria weihte die hl. Ursula ihr Leben einer klösterlichen Gemeinschaft. Als jedoch Heidenkönig Conanus mit Krieg drohte, wenn Ursula sich nicht mit seinem Sohn Ätherius vermählte, bat Ursula sich Bedenkzeit aus. Sie unternahm zusammen mit ihren elftausend Gefährtinnen eine Pilgerreise nach Rom. Dort wurden sie und ihre Gefährtinnen noch einmal getauft. Ätherius reiste seiner Verlobten entgegen und sie trafen sich in Mainz, wo Ätherius ebenfalls getauft wurde. Sie reisten zusammen per Schiff nach Köln. Köln wurde zu dieser Zeit von den Hunnen belagert. Als die Schiffe von Ursula, ihrem Bräutigam und ihren Gefährtinnen vor Köln auftauchten, vermuteten die Hunnen reiche Beute. König Etzel begehrte Ursula zur Frau, was sie verweigerte. Daraufhin wurden Ursula und ihre Gefolschaft getötet.

Großer Ursulazyklus, Öl auf Holz, Kölnischer Meister von 1456 (Umkreis der Werkstatt Stefan Lochners), 1456

Elf oder Elftausend?

Die Zahl Elf steht in engem Zusammenhang mit St. Ursula und der Ursulalegende. Bis in das 10. Jh. wird St. Ursula als Kirche der hl. Jungfrauen bezeichnet. Dann beginnt sich jedoch die Legende auszubilden: Anfangs seien es 11, später 11.000 Gefährtinnen gewesen, welche die Heilige begleitet haben. Als man anlässlich einer Stadterweiterung zu Beginn des 12. Jh. und in der Folge bei Grabungen im Umfeld der Kirche − St. Ursula befindet sich auf einem römischen Gräberfeld – zahlreiche Gebeine von Frauen, Männern und Kindern findet, wird die Vita weiter ausgeschmückt, u. a. von der Seherin Elisabeth von Schönau. Im 12. Jh. wurden die hl. Ursula und der hl. Gereon zu Kölner Stadtpatronen und schließlich im 16. Jh. elf Flammen symbolisch für die 11 Märtyrerinnen ins Kölner Stadtwappen aufgenommen.

Der Hochaltar mit seinen erkennbar gotischen Formen stammt noch aus der Bauzeit des Chores im 13. Jh.

Ein Altartisch (Mensa) bildet mit der sog. Predella sowie vier dahinterstehenden Säulen und einer Steinplatte zur Aufstellung der Schreine eine zusammengehörige Altaranlage. Ursprünglich waren die Schreine der hl. Ursula, des hl. Ätherius und des hl. Hippolytus in einem hölzernen Gehäuse eingelassen, dass in der Barockzeit überbaut wurde. Erst bei Umbauten Ende des 19. Jh. wurde das ursprünglich gotische Anlage wiederentdeckt. Die Predella erhielt in dieser Zeit einen neuen Figurenschmuck: eine hl. Ursula in der Mitte und rechts und links je 5 Gefährtinnen. 

Heute befinden sich die beiden Schreine mit den Gebeinen der Ursula und des Ätherius wieder am gotischen Hochaltar. Die kostbare Metallhülle des Schreins der hl. Ursula aus dem 12. Jh. (wohl 1156–1170 entstanden) ist verloren. Um 1880 wurden neue Beschläge an den erhaltenen Holzkern angebracht. Der rechteckige, tonnengewölbte Schrein des hl. Ätherius (1170–1180) blieb weitestgehend erhalten und gibt einen guten Eindruck vom Reichtum des Metallschmucks an den Kölner Reliquienschreinen des 12. Jh.

 

Reliquienschrein der hl. Ursula, Gabriel Hermeling, Franz Wüsten, 1878-1883 mit Fragmenten von 1160–1170 und Reliquienschrein des hl. Ätherius, Eichenholz, Kupfer vergoldet, um 1170

Im Chorscheitel haben sich drei Fenster aus der Zeit zwischen 1891 und 1894 von William Dixon erhalten, die man nach Abbruch des barocken Hochaltars eingefügt hatte und die im Zweiten Weltkrieg ausgelagert waren.

Im Mittelfenster thront Christus, neben ihm Maria und Johannes, darunter eine Schutzmantel-Ursula und seitlich Szenen ihres Martyriums. In den beiden anderen Fenstern sind Aposteln und Propheten dargestellt. Die ornamentalen Fenster in den Seitenwänden des Chores schuf Wilhelm Buschulte 1962/63.

Glasmalerei, William Dixon, 1891–1894