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St. Ursula
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Langhaus
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Langhaus

Langhaus | Romanik und Gotik in reiner Formensprache

St. Ursula steht heute als romanische Pfeilerbasilika mit Emporen und Querarmen sowie einem vorgelagerten zweigeschossigen Westbau vor uns.

Durch die Weihe eines Altars im Westbau durch Erzbischof Bruno ist die Fertigstellung der Kirche im Jahr 1135 bezeugt. Typisch für diese Zeit sind die romanischen Bauformen wie massive Mauern und Pfeiler mit Würfelkapitellen, Fenster und Arkaden mit Rundbögen sowie die als Drillingsarkaden gestalteten Öffnungen der Emporen. Die Emporen verliefen ursprünglich bis zu den Nebenabsiden des Chors. Heute sind sie entfernt, so dass der Eindruck eines durchgehenden Querhauses entstanden ist. Vermutlich gab es damals eine flache Decke, bevor Anfang des 14. Jh. ein Kreuzrippengewölbe eingezogen wurde. Seit dem Wiederaufbau der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg schließt eine graue, leicht gewölbte Kassettendecke den Raum ab. Trotz großer Kriegsschäden ist noch eine erhebliche Menge der historischen Ausstattung durch Auslagerung erhalten geblieben.

An die romanische Basilika wurde 1287 ein langgestreckter gotischer Chor mit elf Fenstern angebaut. Vorbilder waren der 1248 begonnene Dom und die Sainte Chapelle in Paris (Weihe 1248). 

Vor 1300 erfolgte der Bau eines zweiten Seitenschiffs an der Südseite der Kirche, das sogenannte Marienschiff. Durch große Rundbogenöffnungen wurde es mit dem romanischen Seitenschiff der Basilika verbunden. Der Bauzeit entsprechend ist es mit fünf kreuzrippengewölbten Jochen geschlossen. Ein frühgotisches Portal mit einfachem Maßwerk bildete seit dieser Zeit einen eigenen Zugang für die nun immer zahlreicher kommenden Pilger und Laien.

Kunstwerke

Der steinerne Sarkophag des Mädchens Viventia gehört zur romanischen Ausstattung von St. Ursula. Die Inschrift gibt uns Auskunft, dass die bereits als Kind verstorbene dritte Tochter Pippins d. Ä. († 639) zweimal im Boden der Kirche bestattet wurde, ihr Körper jedoch danach auf wundersame Weise wieder „herausgeworfen“ wurde.

Der Grund dafür war klar: Schont die Clematius-Inschrift aus dem 4. Jh. drohte Strafe an, die in dieser Kirche ein Leichnam außer denen der hll. Jungfrauen bestattet würden. Dieses Verbot umging man nun, indem man das Kind in einem Steinsarkophag bettete und diesen auf vier schlanke Säulen setzte. Die Gebeine waren in wertvolle byzantinische Stoffe gehüllt, die heute in der Schatzkammer auf der Westempore zu sehen sind. Da zwischen dem Tod des Kindes, der Schaffung des Sarges und der Beisetzung in St. Ursula gut 500 Jahre liegen, dürfte es sich dabei um eine weitere Legende handeln.

Sarkophag für Viventia, 12. Jh. 

Am nördlichen Pfeiler zwischen Seitenschiff und Westempore, genau über dem Sarkophag der Viventia, befindet sich ein spätgotisches Relief aus Kalkstein mit der Kreuztragung Christi vom Anfang des 16. Jh.

Im Hintergrund der figurenreichen und sehr plastischen Szene erscheint eine Berglandschaft mit dem Berg Golgatha hinten links. Christus, durch die Last des Kreuzes gebeugt, bildet die Bildmitte, umgeben von Veronika mit dem Schweißtuch, dem Henker, Johannes, Maria und den Frauen. Das knieende Stifterpaar und deren Wappen rahmen die Szene seitlich ein. Die Figuren des Reliefs sind feingliedrig ausgearbeitet, reich gegliedert und wirken fast vollrund gearbeitet, wie auch die Baldachinbekrönung und Rahmung eine hohe Tiefe aufweisen und kulissenhaft auf dem Pfeiler angebracht sind.

Relief einer Kreuztragung, Kalkstein, 16. Jh.

Das Marmorgrabmal der Kirchen- und Stadtpatronin wurde während der Barockzeit, dem zweiten Höhepunkt der Ursula Verehrung, im 17. Jh. geschaffen.

Es befindet sich im nördlichen Querschiff. Der Aufbau, der einen gotischen Sarkophag aus Trachyt aus der ersten Hälfte des 15. Jh. einfasst, ist mit schwarzem Kalkstein ummantelt und um eine Stufe erhöht. Das Grabmal ist eine Stiftung des Johann Crane  aus dem Jahr 1659, der auch den Neubau der Goldenen Kammer sowie die einst östlich des Grabmals gelegene Kapelle finanzierte. Auf dem Grab ruht die weiße Alabasterfigur der schlafenden Ursula. Als Zeichen des Martyriums hält sie eine Palme in der linken Hand. Zudem wird sie durch eine Krone als Königstochter gekennzeichnet. Zu ihren Füßen sitzt eine weiße Taube als Hinweis auf die Legende, dass dem Erzbischof Kunibert während einer Hl. Messe von einer Taube das Grab der hl. Ursula gezeigt wurde.

 

Grabmal der hl. Ursula, Marmor, Alabaster, 1659

Unmittelbar vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte Hanns Rheindorf (1902–1982) für den Hochaltar von St. Ursula einen aus Silber gearbeiteten Rundtabernakel geschaffen.

Er steht auf den vier plastischen Symbolen der Evangelisten, Adler, Löwe, Mensch, Stier. Umlaufend ist das Abendmahlgeschehen zu sehen. Pfarrer Fetten schrieb, dass einige Jungmänner den Tabernakel nach dem Bombenangriff am 21.04.1943 aus den Trümmern der Kirche unter einem Bahnbogen in der Eintrachtstraße in Sicherheit gebracht hatten, wo man ihn am Morgen danach fand, als Einwohner des Viertels ihn als Frühstückstisch benutzten. Die Beschädigungen ließen sich beheben. Der Tabernakel wurde beim Wiederaufbau in die kleine Apsis im südlichen Querschiff positioniert.

Tabernakel, Silber, Hanns Rheindorf, 1937/38

Von der Ausstattung vom Ende des 15. Jh. haben sich die qualitätsvollen Figuren von Maria, Christus Salvator und Ursula aus der Werkstatt des Meister Tilman Heysacker im Marienschiff erhalten.

Die hl. Ursula ist als sog. Schutzmantelfigur dargestellt: Unter ihrem durch ihre Arme ausgebreiteten Mantel drängen sich hilfesuchend zahlreiche Jungfrauen. Die Darstellung geht zurück auf sogenannte Schutzmantelmadonnen, die vom 13.–15. Jh. besonders beliebt waren. 

Die überlebensgroßen Figuren stehen überhöht an drei Pfeilern auf reich verzierten Konsolen. Die Gesichtszüge sind feingliedrig und edel, die Bekleidung vornehm. Die Figur des Christus als Salvator mundi, also Erlöser der Welt, steht genau dem Portal gegenüber und nimmt den Blick der Eintretenden auf. 

Christus, Maria und hl. Ursula, Stein, Werkstatt/Umkreis des Tilman Heysacker, Ende des 15. Jh.

Im Südschiff wurde – nicht unumstritten – 2005 eine Gedenkstätte für Märtyrer und Glaubenszeugen des 20. Jh. eigerichtet.

Das Erzbistum Köln hatte einen beschränkten Wettbewerb dazu ausgerufen und das Büro Kister-Scheithauer-Gross konnte seinen eingereichten Vorschlag umsetzen: Einen großen Kubus − gedacht als Gegenüber zur Goldenen Kammer − als Erinnerungsort mit Zitaten von Glaubenszeugen und deren Lebensdaten. Ein Corpus aus der 2. Hälfte des 14. Jh. findet hier an einem neuen Kreuz seine gute Platzierung. Hinter dem Objekt ist das von Wilhelm Buschulte 1982/83 gestaltete Lebensbaumfenster zu sehen sowie ein Teil des aus der 2. Hälfte des 17. Jh. entstandenen Ursulazyklus zu sehen. 

Gedenkstätte, Kister-Scheithauer-Gross, 2005